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Verse

Patricia Barber

Blue Note/Capitol 7243 5 39856 2
(52 Min., 2/2002) 1 CD

Als eindeutiges Gegenstück zu ihrem letzten Album "Nightclub", in dem sich Patricia Barber der Interpretation von Fremdmaterial widmete, konzipierte sie "Verse": Alle zehn Stücke hat sie diesmal selbst geschrieben. Was im Singer/Songwriter-Genre, also in der von Joni Mitchell initiierten Traditionslinie, als selbstverständlich gilt, damit gehen Jazzsängerinnen immer noch ein Wagnis ein.
Barber balanciert bewusst auf dem schmalen Grat zwischen beiden Genres: Auf Klaviersoli verzichtet sie hier gänzlich; ihr mikrofonnah-intimer Sprechgesang bleibt ohne diese Auflockerung allerdings ziemlich einförmig - eben "cool" - und animiert eher zum Weg- als zum Zuhören. Anders als in ihren früheren Alben "Modern Cool" und "Companion" kann man zwischendurch nicht bei vertrauten Wortfolgen und Melodien verschnaufen. Ihre anspruchsvollen Verse (die parodistische Häufung der Fremdwörter in "I Could Eat Your Words") lassen einen nach dem Beiheft oder gleich nach dem Wörterbuch greifen; Barber hat nicht ganz zufällig früher Psychologie studiert.
Die Begleiter verankern dieses zwischen die Stühle fallende Album allerdings eindeutig im Jazz; besonders ihr Gitarrist Neal Alger raut die Oberfläche faszinierend auf. Der Trompeter Dave Douglas und der Bassist Michael Arnopol haben sich schon auf früheren Alben bewährt; auch den Schlagzeuger Joey Baron halte ich für eine gute Wahl. Die zu "Clues" experimentelle Klänge beitragende Streichergruppe hätte Barber - im Sinne des Fleshquartet auf Nils Landgrens anrührender "Sentimental Journey" - meinethalben ruhig mehrfach einsetzen dürfen.

Mátyás Kiss, 10.10.2002



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