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N° 1255
28.05. - 03.06.2022

nächste Aktualisierung
am 04.06.2022



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Johann Sebastian Bach

Kantaten "Herr Jesu Christ, du höchstes Gut" BWV 113, "Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei" BWV 179, "Mein Herze schwimmt in Blut" BWV 199

Magdalena Kožená, William Towers, Mark Padmore, Stephan Loges, Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

Archiv Produktion 463 591-2
(64 Min., 09/2000) 1 CD

Bach - Sie erinnern sich? Das war der von letztem Jahr. Da gab's manches nach dem Motto: Muss das sein? Unter anderem die publicityträchtige Kantatenreise John Eliot Gardiners. Jetzt lass ich mich damit versöhnen, denn dieses Mitbringsel kann man wahrlich nicht verteufeln. Alle drei Kantaten besingen ein unserer Spaßzeit nicht eben geläufiges Sündenbewusstein. Vor allem werden den Herren und Damen von und zu Lotterleben vom sächsischen Adel, wohl auch vom Leipziger Stadtrat, werden die Heuchler-Leviten. Anscheinend wollte Bach von der Orgelempore herab manche offene Rechnung begleichen.
Gardiner ist ein famoser Text-Diener: so plastisch, geradezu giftig in der Diktion, lässt er seinen Chor die "Heuchelei" intonieren, dass man die roten Honoratioren-Köpfe in den ersten Kirchenreihen sich bestens vorstellen kann. Und wie Magdalena Kožená ihre Sünden "als ein Eiter in Gebeinen" intoniert, das irritiert derart, dass man die Stelle gleich mehrmals hören will: So großartig hässlich kann diese in allen Lagen souveräne Sopranistin singen! Natürlich steckt Gardiners Wille und Vorstellung dahinter, wie auch an den von Mark Padmore intensiv "gepredigten" Rezitativen studiert werden kann.
Stephan Loges versieht seinen schlanken Bass leider mit argem Tremolo, so dass die Sündenbeichte Unwohlsein provoziert. Das gilt schließlich auch für die Choräle, in die der Monteverdi-Chor einfach zuviel Affekt hineinlegt: der Schmerzenspfeile, die ich in mir hab, sind dann doch zu viele. Aber vielleicht sträubt sich meine Katholikenseele schon an sich gegen soviel pietistische Wundbrühe, erst recht wenn derart affektiert, geradezu lustbetont darin gebadet wird. Ansonsten: ein nachträgliches "Must" zum Bach-Jahr.

Christoph Braun, 01.12.1999



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