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Changing Places

Tord Gustavsen-Trio

ECM/Universal 1834
(66 Min., 12/2001, 6/2002) 1 CD

”Man muss nicht eine neue Sprache erfinden, um eine neue Geschichte zu erzählen.” Dies sagt der 33-jährige Tord Gustavsen im Hinblick auf sein Solo-Debüt, das er, unterstützt von den ebenfalls zur jüngeren Generation zählenden Harald Johnsen (b) und Jarle Vespestad (dr), für ECM eingespielt hat. Bei den 13 Kompositionen, die allesamt aus der Feder des norwegischen Pianisten stammen, steht immer die Melodie im Vordergrund. Und diese Weisen sind so einfach und so schön, dass man Stück für Stück immer mehr in ihren Bann gerät. Bei aller Schlichtheit der Themen lassen sich die Musiker jedoch genug Raum, fein verästelten Improvisationen nachzugehen. Und die Passagen, in denen Harald Johnson seine Begleiterrolle aufgibt, um, virtuos und dennoch stilsicher, das Trio zu führen (z.B. bei “Where Breathing Starts”), gehören zu den schönsten Momenten dieser Aufnahmen. Wie durch einen melancholischen Schleier hindurch dringen skandinavisch Volksliedhaftes, südamerikanische Rhythmen in Zeitlupe oder Cool-Jazz mit Choralwendungen ans Ohr und entwickeln einen angenehmen Sog, dem man nur allzu gerne nachgibt. Und dies fällt umso leichter, als das sensible und filigrane Spiel der Musiker von der Aufnahmetechnik hervorragend eingefangen wurde.
”Changing Places” klingt wie die musikalische Antwort auf “Slow Food”, und es ist der stilistisch uneinheitlichen Situation im derzeitigen Jazz zu verdanken, dass ein Newcomer offensichtlich nicht (mehr) gezwungen ist, sich mit einem Höher-weiter-schneller-Programm international einzuführen. Nach dem Anhören der Platte jedenfalls möchte man Gustavens Diktum ergänzen: Auch eine alte Geschichte kann eine gute Geschichte sein - wenn man sie nur gut erzählt.

Tilman Stamer, 17.05.2003



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