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Navigatore

Renaud García-Fons

Enja/Edel Contraire ENJ-9418-2
(65 Min.) 1 CD

Renaud Garcia-Fons kann beeindruckend Bassgeige spielen, Punkt. Musikalisch ist er unverkennbar ein Kind der siebziger Jahre, die zwar einen Jaco Pastorius und die endgültige Emanzipation des Kontrabasses als melodieführende Stimme - Dave Holland, Barre Phillips, Eberhard Weber - hervorbrachten, aber auch das Instrument Studio allzuoft missbrauchten und dabei viele überflüssige, da gnadenlos überproduzierte Alben hervorbrachten. Wie schon frühere CDs vermuten ließen, fehlt leider auch Garcia-Fons der richtige Riecher dafür, was musikalisch "geht", und was man besser unterlassen sollte.
Solange es Käufer gibt, die "richtiger" Jazz verschreckt, hat auch eine schon von der Ereignisdichte her vollkommen überladene Aufnahme wie "Navigatore", die es allen recht machen will, womöglich ihre Existenzberechtigung. Aber ob die Produktionskosten für eine Zwanzig-Mann-Besetzung nicht anderswo besser investiert wären? Oft klingt es nämlich wirklich danach, als würden zwei auf verschiedene Sender eingestellte Radios gleichzeitig laufen. Charles Ives und John Cage hätten sich gewiss amüsiert - ich war schon nach zehn Minuten wie erschlagen.
Höfische, arabische, musettewalzerselige, rockige, minimalistische, Gamelan- und Flamenco-Klänge lösen sich in wilder Folge ab oder schichten sich sukzessive auf, bis die rote Überlastlampe im Gehirn des Hörers aufleuchtet, der sein Heil in der erlösenden Stopptaste suchen muss. Dabei hätte Garcia-Fons über genügend musikalischen Stoff (und auch die Musiker!) für zwei vielleicht ebenfalls eklektische, dafür im guten Sinne kurzweilige CDs verfügt.

Mátyás Kiss, 29.11.2001



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