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Live In Montreux 1991 - 97

Rachelle Ferrell

Blue Note/Capitol 7243 5 38564 2
(77 Min., 7/1991, 7/1997) 1 CD

Wer wie ich die etwas speziellen Gesangskünste einer Betty Carter nicht recht zu würdigen versteht, wird sich vielleicht auch nicht sofort für Rachelle Ferrell erwärmen. Wer allerdings gar nicht genug von perfekt gemeisterten, virtuosen Gesangstechniken aus Jazz, Soul oder Neuer Musik bekommen kann, gerät bei dieser jungen Frau an die richtige Adresse, zumal ihr Talent keinerlei Beschränkungen unterliegt - weder ihr Stimmumfang noch ihr gestalterischer Einfallsreichtum scheinen irgendwo an nennenswerte Grenzen zu stoßen.
Oft blättert Ferrell innerhalb eines einzigen Liedes - ob Standard oder eigene Erfindung, spielt bei ihr eine untergeordnete Rolle - einen ganzen Katalog vokaler Möglichkeiten durch. Leider, so denkt man im ersten Moment, weiß sie dabei nicht so recht Maß zu halten. Doch da sie mit dem Bauch ebensosehr singt wie mit dem Kopf, ist Maßlosigkeit der von ihr gern entrichtete Preis ihrer Leidenschaft, die aus der Inbrunst und dem vollen Körpereinsatz der Gospelmusik herrührt.
Zum Kennenlernen empfehle ich ihre unvergessliche, zu Chet Baker antipodische Version von "My Funny Valentine", aufgenommen wie der Großteil der CD bei ihrem Europadebüt 1991. Unverständlich nur, warum dieser in jeder Hinsicht sensationelle Mitschnitt elf Jahre im Archiv verstaubte. Noch unbegreiflicher, dass eine Stimme wie diese ihrer Besitzerin nicht längst zum Rang eines Weltstars verholfen hat.
Selbst wenn sie nie wieder an die Öffentlichkeit träte - Rachelle Ferrell ist schon jetzt der Art Tatum des Gesanges. Ihr hätte sogar eine Sarah Vaughan neidlos den Vortritt gelassen, während ich es geringeren Talenten nicht übel nähme, falls sie sich nach der Begegnung mit diesem überwältigenden Gesang diskret ins Privatleben zurückzögen.

Mátyás Kiss, 15.08.2002



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