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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Lovers, Fools and Dreamers

Peter Fessler

Skip 9049-2/Sunny Moon
(49 Min.) 1 CD

Möge der Allmächtige verhindern, dass es Peter Fessler so ergeht wie Andy Bey, Jimmy Scott oder Mark Murphy. Denn das würde bedeuten, dass Deutschlands unbestritten bester Jazzsänger noch ungefähr 30 Jahre warten muss, um endlich flächendeckend wahrgenommen zu werden. Es wäre tragisch, ist aber nicht unwahrscheinlich.
Als sich Peter Fessler Anfang der 90er Jahre nach einer kurzen und erfolgreichen Pop-Karriere mit der Band "Trio Rio" ganz auf seine Jazzwurzeln besann, kam er damit im wiedervereinigten Techno-Deutschland zu früh. Auf einen, der so scatten kann wie Al Jarreau, hatte die Nation zu diesem Zeitpunkt einfach keine Lust. Und jetzt, wo es endlich auch mal junge Jazzsänger gibt, die wie Peter Cincotti oder Jamie Cullum die Herzen der Käuferschaft erweichen, wirkt Fesslers Gesang erneut seltsam deplatziert. Was heißen soll: er ist zu reif, zu erfahren und (wohl aus diesem Grunde) zu traurig.
Mit "Lovers, Fools and Dreamers" gelingt Fessler der für einen Jazzvokalisten eigentlich denkbar schönste Erfolg - er bekommt es hin, an sich ziemlich üble Schnulzen in erlesene Seelendramen zu verwandeln. Man schaue sich bitte nur das Repertoire an: "Strangers in the Night", "Blue Moon", Lionel Richies "Hello" oder "Smoke Gets in Your Eyes". Jedem einzelnen dieser Heuler entzieht Fessler allen falschen Frohsinn und jeglichen Kitsch. Und zwar mit kongenialen Melancholikern namens Peter Weniger, Joo Kraus und Christian von Kaphengst an Saxofon, Trompete und Bass sowie einer überwältigenden Bossa-Nova-Lebensmüdigkeit, die ihresgleichen sucht. Wenn Fessler 70 wäre und die entsprechend kaputte Stimme hätte, würden viele jetzt wahrscheinlich von einem tollen Alterswerk und einer Entdeckung schwärmen. Der Mann ist leider (und zum Glück) 30 Jahre jünger. Wir drücken weiter die Daumen.

Josef Engels, 22.12.2004



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