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Zamazu

Roberto Fonseca

Enja/Soulfood ENJ-9499 2
(64 Min., 2006) 1 CD

Der geneigte Hörer reibt sich die Augen: Diese in Havanna und Bahia aufgenommene Weltmusik ist tatsächlich bei Enja erschienen, dem europäischen Traditionslabel, das vielen als Inbegriff des Hardcorejazz gilt. Doch die Münchner hatten schon immer auch ein offenes Ohr für subtile, akustisch handgemachte jazzanaloge Musiken – man denke an René Garcia-Fons, Rabih Abou-Khalil oder auch Abdullah Ibrahim. Mit diesen Musikstilen hat der kubanische Pianist Roberto Fonseca, der Shooting Star der Buena Vista Social Club-Enkel, durchaus etwas an seinem schicken Hut, den er auf dem Cover so dekorativ in den Wind hält. Er war der überschwängliche Tastenmagier in Ibrahim Ferrers Begleitband. Jetzt hat er ein aufwändiges Album fast ausschließlich mit Originals produziert, das ihn eher von der beschaulichen Seite zeigt. Zu einer Grundbesetzung aus Klavier, Kontrabass Saxofon und Flöte und drei Schlagwerkern aus Kuba und Brasilien kommen zahlreiche Gäste. Kubanische und brasilianische Rhythmen durchdringen sich, immer wieder gibt es inbrünstige vokale Beiträge – solistisch und als Background, und zwei Titel erweisen explizit der orientalischen Musik ihre Referenz, einer davon, Ismael, stammt aus der Feder Abdullah Ibrahims. Dessen Klavierstil und besonders seine Art, in den lyrischen Gedankenfluss Monk’sche Abstraktionen einzubauen, finden sich auch bei Fonseca, aber auch die quicklebendige Beweglichkeit eines Herbie Hancock hat er verinnerlicht. Stets aber – ob verhalten-besinnlich oder gelegentlich ekstatisch-rhythmisch – ist das kubanische Erbe spürbar und der Bezug zu Rubén Gonzáles. Zamazu ist mächtig Laune machende Musik, die bei aller easy-listening-Qualität dieses Moment der Melancholie in sich trägt, das auf Tiefgründiges verweist und sie über jegliche Banalität erhebt.

Thomas Fitterling, 14.04.2007



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