Responsive image

Takes On Pasolini

Antonio Faraò

CamJazz/ZYX CAMJ 7779-2
(54 Min., 5/2005) 1 CD

Déjà-vu-Erlebnisse haben manchmal etwas Unheimliches oder gar Peinliches, beim Déjà-entendu-Effekt kann die Ahnung von etwas bereits Gehörtem durchaus reizvoll sein, wenn daraus ein Erlebnis des berückenden Weiterspinnens eines traumhaften Erlebnisses wird. In Frankreich sorgte vor gut zwanzig Jahren das Piano-Kontrabass-Duo Jean-Pierre Mas / Cesarius Alvim für hinreißende Erlebnismomente. Ein durchaus Keith-Jarrett-inspiriertes Klavier bildete mit einem leichtfüßig melodisch anbietenden Kontrabass eine ideale Partnerbeziehung für duftige Komplementärmotive. Mit dem Schlagzeuger Daniel Humairs verband sie sich immer wieder zu einem Freundesfreudenfest. Jetzt ereignet sich Ähnliches in Italien, und strahlender Azur bietet Nordlichter-dräuenden Klavierklangwolken Paroli. Der 41-jährige italienische Pianist Antonio Faraò hat sich mit Miroslav Vitous zusammengetan, dem frohlockenden Melodiker am Bass, und am Schlagzeug sitzt erneut Daniel Humair. Auch jetzt ereignet sich die Magie, die zunächst nur in der Erinnerung lebte. Das Trio gestaltet eine Hommage an den Filmemacher Pier Paolo Pasolini mit Musiken seiner Filme. Die Titel sind einem geläufig wie ein Schon-gehört-Erlebnis, aber eben nicht überdrüssig wie die oft bemühten Standards, und so kann sich vor der nur erahnten Folie des Erinnerns ein ähnliches Erleben einstellen, wie es uns die Komplementärbeziehung von Mas / Alvim / Humair bescherte. Es ist schlicht eine Freude, die sangbare Motivik eines Miroslav Vitous sich frei entfalten zu hören und dabei das feinsinnige Klavierspiel Antonio Faraós zu entdecken, das innigen Impetus mit der hohen Kunst der Reduktion verbindet. Und das alles vollzieht sich im Lichte der strahlenden Klangmelodik von Daniel Humairs subtilem Schlagzeugspiel.

Thomas Fitterling, 18.02.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top