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Nuages

Jenny Evans

enja/soul food ENJ-9467 2
(51 Min., 1/2004) 1 CD

Jenny Evans, die in München lebende Engländerin, ist bisher vor allem als swingende-Vokalistin in der Tradition von Ella Fitzgerald und Anita O’Day hervorgetreten. Jetzt legt sie eine CD vor, auf der sie vor allem anspruchsvolle moderne Jazzballaden interpretiert. Das Besondere an ihnen ist das Material. Jenny Evans dekliniert und deklamiert nicht ein weiteres Mal das Great American Song Book, sondern besinnt sich auf ihr europäisches Erbe. Neben einem einzigen amerikanischen Song erklingen der überzeugend auf Französisch vorgetragene Django-Reinhardt-Titel "Nuages", eine Purcell-Arie, ein John-Dowland-Lied, ein Beatles-Song, ein Stück aus den "Carmina Burana" als Jazzwalzer, ein Titel von John Dankworth, ein neu englisch getexteter Peter-Kreuder-Schlager, ein jazzbekanntes schwedisches Volkslied und schließlich Vokalversionen zweier Dusko-Goykovich-Kompositionen. Was sich als disparat eklektizistisches Programm liest, erweist sich im Klang als überzeugendes Statement einheitlicher Konzeption. Verantwortlich dafür ist zuallererst Jenny Evans Stimmführung, die ihre große Jazzvergangenheit nicht verleugnet, ohne dabei in plüscherne Manierismen zu verfallen. Und dann ist das Lob ihrer Combo zu singen, allen voran das des Pianisten Walter Lang. Er beherrscht die hohe Kunst der Begleitung eines Tommy Flanagan, die er nach Bedarf mit Bill-Evan'scher Sophistication versetzt und beim Jazzwalzer auch mal mit McCoy Tyner aufpeppt. Dazu hat die Sängerin im Bassklarinettisten und Saxofonisten Mulo Francel einen kongenialen Widerpart. "Intim, leidenschaftlich und von souveräner Relaxtheit" sei die Musik, meint der Schlagzeuger des Projekts. Wo der Mann Recht hat, hat er Recht.

Thomas Fitterling, 24.07.2003



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