Responsive image

Flirting With Twilight

Kurt Elling

Blue Note/EMI 72435 311113 2
(64 Min., 1/2001, 2/2001) 1 CD

Spröde und unnahbar wirkt Kurt Elling, wenn er fast bewegungslos im Anzug auf der Bühne steht. Seine Konzerte erinnern an die Auftritte klassischer Sänger aus der Zeit vor José Cura: Nur die Worte und Töne zählen, und nichts darf von ihnen ablenken. Aber genau dies ist nicht jedermanns Fall, denn viele verlangen von einem Jazzsänger deutlich herausgestellte Gefühle und tolerieren dabei auch kleinere Unsauberkeiten.
Doch es lohnt sich, diesem gegen alle Erwartungshaltungen verstoßenden Bariton zuzuhören. In der besten Nachfolge von Jon Hendricks intoniert er so präzis und überlegt, so stimmhandwerklich perfekt wie derzeit kein anderer Sänger. Unglaublich, wie ansatzlos er live die waghalsigsten Sprünge vollzieht und mit der Dynamik und den Klangschattierungen seiner Stimme spielt! Dies spricht dafür, dass auch bei den Studioaufnahmen seiner Platte "Flirting With Twilight" nicht getrickst wurde. Wie ein Instrumentalist bewegt er sich zwischen den Tönen von Rhythmusgruppe, Trompete und Saxofonen, und dabei singt er vom ersten bis zum letzten Ton Texte und verzichtet auf die Möglichkeiten, die Scat oder üppige Ornamente bieten könnten.
Ellings Art, mit den Texten von "Easy Living", "I Get Along Without You Very Well" oder "Blame It On My Youth" sowie unbekannten Songs umzugehen, ist aber unvergleichbar schwieriger. Wunderschön ist auch seine neu getextete Version von Glenn Millers "Moonlight Serenade" und des von Neil Hefti für Count Basie komponierten Klassikers "Lil' Darling" mit einem Text von Jon Hendricks. Wie Kurt Elling die Melodien führt und stellenweise auch verändert, wie er phrasiert und die Texte interpretiert, ist in der gegenwärtigen Jazzszene einzigartig. Bis in die letzten Details der perfekt seiner Art zu singen angepassten Arrangements stimmt bei dieser Produktion einfach alles. Vorausgesetzt, man überwindet die Hürde, sich auf den spröden, scheinbar un-emotionalen Stil von Kurt Elling einzulassen.

Werner Stiefele, 04.10.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nordlicht: Aus dem damals dänischen Holstein stammend, wird Dieterich Buxtehude im Frühling 1668 der neue Kirchenmusiker an St. Marien in Lübeck. Mit der Übernahme von Amt (und Heirat der Tochter) von Franz Tunder führt er auch dessen „Abendmusiken“, festliche und groß besetzte Adventskonzerte, fort. Diese sind so erfolgreich, dass Buxtehude bald der strahlendste Vertreter der Norddeutschen Orgelschule ist, den zu besuchen sich Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Johann […] mehr »


Top