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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzert Nr. 3

Walter Gieseking, Philharmonisches Sinfonieorchester, John Barbirolli

Music & Arts/Note 1095
(75 Min., 2/1939) 1 CD, - enthält zudem Werke von Debussy und Franck

Bei Sammlern historischer Aufnahmen sorgte das Kürzel IPL 505 stets für feuchte Hände. Dahinter versteckte sich die seit vielen Jahren nicht mehr zu ergatternde, nun erstmals auf CD veröffentlichte Aufnahme jenes legendären Konzertes vom 12. Februar 1939, in dem Walter Gieseking unter John Barbirolli das dritte Rachmaninow-Klavierkonzert zum ersten Mal überhaupt ohne Kürzungen und mit der langen Kadenz aufführte. Der Komponist, der im Publikum saß, wird ein solches Wunder kaum erwartet haben. Von nun an sei Gieseking der führende Interpret seiner Konzerte, äußerte er bewegt.
Wer dieses Dokument nun endlich nicht in der verkratzten Kopie einer Kopie hört, sondern annehmbar restauriert, versteht Rachmaninows Lob. Allein das bedächtige Aussingen der unendlichen Kantilene des ersten Themas, dieser leuchtend-transparente Gieseking-Ton musste die Hörer bezaubern und entführen. Doch was erst wie ein beglückend-sonniger, klassizistischer Interpretations-Seitenpfad wirkt, gehorcht einer fesselnden und zugleich ökonomischen Dramaturgie.
Den Kopfsatz kennen wir gewöhnlich als emotional instabiles An- und Abschwellen der Erregungswogen. Gieseking und Barbirolli aber beginnen in einem breiten, lyrischen Gesang, aus dem heraus sich das Tempo im ersten Themenfeld völlig zielgerichtet über die Etappen "piu mosso" und "piu vivo" zum Allegro steigert, um in der Veloce-Kadenz zu gipfeln. Im völlig regelmäßigen Puls dieser Etappen formt Gieseking die Vielstimmigkeit seines Partes in scheinbar gewichtsloser Deutlichkeit aus, ohne dass der untergründige Spannungszug nachlassen würde, der zur Durchführung führt. In der Kadenz riskiert er alles, und aggressiver, klangmächtiger ist sie wohl nie wieder gespielt worden.
So entblättert sich eine großartige epische Struktur, ein riesiger Bogen von Steigerung und Abebben, von Verdichtung und wehmütiger Verflüchtigung. Zwischen pastoralem Frieden und erregenden, gewaltigen Massierungen erkunden Gieseking und Barbirolli die majestätischen Ausdrucksdimensionen der Komposition, und kein Späterer sollte ähnlich weit gelangen. Dies ist einer der eindrucksvollsten Konzert-Mitschnitte aller Zeiten.

Matthias Kornemann, 07.02.2002



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