Im Dezember wurde Franco Zeffirelli zum Ehrenritter des Britischen Königreiches geschlagen. Für sein Lebenswerk. Schließlich hat der Mann Jahrzehnte lang Mailand, London und New York mit seinen buchstabengetreuen, naturalistischen, detailbesessenen Ausstattungsorgien beglückt. Nun hat sich Zeffirelli wieder zu Wort gemeldet und die laufende Spielzeit der Scala eine "Schande" geschimpft. Nur mittelmäßige Leute würden dort arbeiten. Meint der sich selbst? Denn auf dem Programm dieser Saison steht auch seine "Bohème", die jetzt in einer Aufführung aus dem Arcimboldi von 2003 auf DVD erschienen ist: Zeffirelli as usual, Bilderbuch-Puccini.
Marcelo Álvarez hat den klangvollsten Namen auf dem Besetzungszettel, sein Rodolfo ist untadelig, aber nicht überwältigend. Was auch für die übrigen Sänger gilt. Christina Gallardo-Domâs leidet ganz rührig und singt hübsch, ist aber weit von der Größe und Intensität Mirella Frenis oder anderer bedeutender Interpretinnen dieser Rolle entfernt. Hei-Kyung Hong, seit Jahren einer der Publikumslieblinge der New Yorker Met und in Europa weitgehend unbekannt, sahnt als Musetta ab. Alles andere: große Oper, kein Welttheater.

Jochen Breiholz, 26.02.2004



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