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On The Rising Of The 64 Paths

Steve Coleman, Five Elements

Label Bleu/SunnyMoon LBLC 6653

Glückwunsch! Der Altsaxofonist Steve Coleman, vor fast zwei Jahrzehnten als Kopf des losen Künstlerzusammenschlusses M-Base einer der wichtigsten Jazz-Innovatoren, hat mit der Scheibe ”On The Rising Of The 64 Paths” eine faszinierende Disc vorgelegt. Dabei bleibt er seinem alten Thema treu: Für ihn gibt es keine Grenzen zwischen Ethno und Jazz, keine Angst vor der Tradition und keine Scheu vor den verrücktesten Rhythmen. Unglaublich, wie er mit seiner Formation ”Five Elements” in ”64 Path Binding” unterschiedliche rhythmische Teilbewegungen ineinander verschachtelt und dabei groovt, als sei all dies selbstverständlich. Mit quäkelig-quengeligem Ton tanzt das Altsaxofon des Bandleaders über dem Gewimmel: Ein Highlight des modernen, unkonventionellen Jazz. Etwas besinnlicher geht es mit ”Mist And Counterpoise” weiter, und in ”Call For Transformation” kommen indisch anmutende Gesangselemente ins Geschehen. ”The Movement In Self” ist eine - sofern dies bei Steve Colemans eigenwilliger Melodieführung möglich ist - mystisch-laszive Ballade, bei der ihn lediglich der Schlagzeuger Sean Rickman mit Stöcken und Filzschlägeln begleitet. An den beiden Versionen von Dizzy Gillespies Klassiker ”Dizzy Atmosphere” hätte dem Altmeister sicher gefallen, wie kühn Steve Coleman und die ”Five Elements” seine Komposition ins 21. Jahrhundert transportieren. Immerhin zählte er selbst zu den Pionieren des Bebop und - was oft vergessen wird - des Afro-Kubanischen Jazz. Würde Dizzy noch leben, wäre es durchaus denkbar, dass er mit einer ähnlich polyrhythmischen Band wie Steve Coleman experimentieren würde. Und dann der Kontrast zwischen fast monotonem Bass-Ostinato und den Rhythmen von Bläsern und Schlagzeug in ”Eight Base Probing”! Und der Witz, mit dem die Band in ”Fire Revisited” eine abwärts gerichtete Tonreihe durchbricht! Das prickelt, das geht unter die Haut und macht - bei aller Verrücktheit - immens Spaß.

Werner Stiefele, 05.07.2003



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