Responsive image

Sound Grammar

Ornette Coleman

Sound Grammar/NRW Vertrieb SG001
(67 Min.)

Wer beim Namen von Ornette Coleman aus Furcht vor Free Jazz zurückschreckt, macht einen Fehler. Denn der agile, am 19. März 1930 geborene Altsaxofonist, zählt zu den größten Melodieerfindern der Jazzgeschichte. Ihrer freien Entwicklung ordnet er beim Live-Mitschnitt "Sound Grammar" vom 14. Oktober 2005 aus Ludwigshafen alles unter. Die beiden Bassisten Tony Falanga und Gregory Cohen sowie Ornettes Sohn Denardo Coleman am Schlagzeug bilden zusammen mit dem alten Herrn ein perfekt eingespieltes Team, das sein Spiel einerseits frei anlegt, andererseits die Melodien der Stücke großartig ineinander verschränkt. Dabei erzählen die Töne aus Ornette Colemans Altsaxofon von Freude und Trauer, Zögern, Vorsicht, Furcht und überbordendem Jubel. Da stört nicht einmal, wenn Coleman zwischendurch auf Trompete und Geige dilettiert. Zärtlich umspielen sich die vier in "Sleep Talking", das eine großartige, so eingängig wie ein Kinderlied angelegte Melodie bestimmt, "Turnaround" ist ein herrlich schräger Blues und in "Matador" frönt die Band Colemans Leidenschaft für fröhliche Calypsos, die sich in heitere Melodien auflösen. Mit "Song X" gibt es unter den acht Titeln noch eine Reminiszenz an das Titelstück einer bahnbrechenden Platte, die Coleman zusammen mit dem Gitarristen Pat Metheny eingespielt hat. Die Quartettversion ist etwas wilder und ungestümer als die Studiofassung von 1985. Auf seine alten Tage gelang dem Saxofonisten noch einmal eine perfekte Synthese aus Melodie und free.

Werner Stiefele, 26.01.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top