Responsive image
Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen BWV 988

Christine Schornsheim

Capriccio 10 577/78
(80 Min.) 2 CDs

Denken wir uns den an Schlaflosigkeit leidenden Baron von Keyserling, der sich der Legende nach von Bach zum nächtlichen Zeitvertreib diese Variationen komponieren und von seinem Diener, dem Bach-Schüler Johann Gottlieb Goldberg, des öfteren nächtens traktieren ließ, denken wir uns Seine schlaflose Durchlaucht im Tonkonservenzeitalter, so würde sie kaum mit Glenn Goulds Raserei aus den Fünfzigern Ruhe finden, wohl aber mit dieser um dreißig Minuten länger währenden Neueinspielung der Berliner Cembalistin Christine Schornsheim.
Mit der rein äußerlichen soll aber keine interpretatorische Langeweile assoziiert werden (zumal sich Frau Schornsheim der Wiederholungen annimmt). Allenfalls einige wenige der per se langsamen Variationen wie die klagevolle in g-Moll (Nr. 25) lassen an jenes Keyserlingsche Schlafbedürfnis denken. Sonst aber geriet der Spezialistin für alte Tasteninstrumente ein wohldurchdachter, in Tempi wie Ausdruck abwechslungsreicher Zyklus (mit wehmutsvoll abschließendem Quodlibet). Makellos dabei ihre Meisterung der virtuosen Höchstanforderungen und rhythmischen Finessen, vorbildlich, gewissermaßen wesensverwandt ihrem Handwerksmittel, die glasklaren Verzierungskünste. Jegliches Gähnen verbietet sich also, nicht zuletzt wegen des vorzüglich präsenten Klangbildes.

Christoph Braun, 01.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Wo kam das auf einmal her? Fragte man sich, als im November vergangenen Jahres dieser Schubert-Zyklus mit Nikolaus Harnoncourt und dem Chamber Orchestra of Europe aus den ORF-Archiven wie von Zauberhand wiederauftauchte. Harnoncourt war mit dem Kammerorchester eng verbunden, die Schubert-Sinfonien hatte er beim von ihm gegründeten Styriarte-Festival in Graz 1988 wellenschlagend dargeboten. Nun ist der Live-Mitschnitt auf 4 CDs erhältlich. Sowohl der Dirigent als auch das Orchester beweisen […] mehr »


Top