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Translinear Light

Alice Coltrane

Impulse/Universal 9861929
(71 Min.) 1 CD

Nach nahezu drei Jahrzehnten der Zurückgezogenheit gibt es wieder ein aktuelles Album von Alice Coltrane, der Witwe des alles überragenden Jazzmusikers der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Coltrane und Impulse, das sind nahezu magische Namen. Allerdings soll es Menschen geben, die Alice Coltrane im Hinblick auf die Musik ihres Mannes Ähnliches vorwerfen, wie es andere Yoko Ono in Bezug auf John Lennon tun. Von schwülstig-tremolierter Klangwatte, in der der Biss des Protests neutralisiert werde und wo sich modal auf banal reime, ist da die Rede. Anderen wiederum ist ihre Musik Ausdruck tiefer Spiritualität und wird als "kosmisch" und "psychoaktiv" empfunden. Beide Ansichten mögen sich von diesem Album bestätigt fühlen, übersehen dabei aber, dass die Leaderin, die sich tatsächlich weitgehend auf das Schaffen von stark indisch geprägten Klang-Environments auf der doppelrohrblattartig intonierten Wurlitzer-Orgel bzw. einem harfinistisch eingesetzten Flügel beschränkt, eben souverän Freiräume für ihre Saxofon spielenden Söhne, Oran auf dem Alt- und Ravi auf dem Tenorinstrument schafft, die vor allem Ravi mit zunehmend wahrlich John-William-Contranesker Autorität füllt. Außerdem vollzieht sich in den Momenten wirklich große Musik, in denen Jack DeJohnette und Charlie Haden aus der Rolle der rhapsodischen Zulieferer heraustreten dürfen und zu wahren Dialogpartnern werden.

Thomas Fitterling, 16.10.2004



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