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Sergei Prokofjew

Alexander Nevsky

Marina Domashenko, Ernst-Senff-Chor Berlin, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Frank Strobel

Capriccio/Delta Music 71 014
(104 Min., 10/2003) 1 CD

Die Begebenheit ist mit einigem Recht historisch zu nennen. Man schrieb das Jahr 1242, da machte sich eine Heerschar deutschstämmiger Ordensritter auf den Weg gen Osten, um selbigen im Sturmlauf zu nehmen. Doch die kriegerischen Ritter hatten eines nicht bedacht - den Widerstand des russischen Volkes, den Willen zur Vereinigung ansonsten zerstrittener Stämme. Und so kam es in der heute legendären Eis-Schlacht am Peipussee zu einem heroischen Gemetzel. Unter der Führung des Fürsten von Nowgorod, Alexander Nevsky, der zwei Jahre zuvor schon schwedische Invasoren an der Newa niedergerungen hatte und daher seinen Namen trug, schlugen die Russen die deutschen Horden in die Flucht - oder gleich zu Tode. Die Folgen dieser heroischen Tat waren nicht unbeträchtlich: Einmal wurde an diesem bitterkalten Apriltag der Verlauf der nordwestlichen Grenze Russlands festgelegt, andererseits der Heerführer zum Heiligen erklärt.
Zwei heute berühmte Sergeis, der Filmemacher Eisenstein und der Komponist Prokofjew, zimmerten Jahrhunderte später (1938) aus der Historie ein Kunstwerk - den Musikfilm "Alexander Nevsky". Sie taten dies mit gutem Grund. Wieder drohte deutsches Ungemach, wieder galt es, die russische Bevölkerung bei der patriotischen Wurzel zu packen. Entsprechend martialisch und pathetisch geriet das Opus; selbst Stalin lobte es. Bald darauf jedoch verschwand es in den Schubladen der Archive und/oder wurde in der Folge nur noch bandagiert (oder skelettiert) aufgeführt. Die nun vorliegende Aufnahme, eine Koproduktion von ARTE, DeutschlandRadio Berlin und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, ist die erste gültige Rekonstruktion der Musik zum opulenten Schlachtschinkens. Was allerdings fehlt, der Natur der Sache sei es geschuldet, ist der Film. Und die Musik Prokofjews, mag sie auch noch so nuanciert und trennscharf wiedergegeben sein, mutet doch ein wenig populistisch an. Für Musikhistoriker ein Modellbeispiel von dokumentarischem Wert. Für Musikliebhaber eher gewöhnungsbedürftig. Um es vorsichtig zu sagen.

Tom Persich, 03.07.2004



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