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Sergei Prokofjew

Klaviersonaten Nr. 2, 7 & 8

Mikhail Pletnev

Deutsche Grammophon 457 588-2
(69 Min., 3/1997) 1 CD

Das selbe Programm hat der unterschätzte deutsche Pianist Bernd Glemser 1994 bei Naxos eingespielt, freilich für ein Drittel des Kaufpreises. Aber auch der musikalische Vergleich der beiden CDs gibt Pletnjew eindeutig das Nachsehen, trotz seines “Heimvorteils”.
So tranig und prätentiös-verquast hat man die (an sich messerscharf konturierten) Ecksätze dieser drei bekanntesten Sonaten Prokofjews selten gehört, ganz zu schweigen vom sprühenden Intellekt und der stets lauernden feinen Ironie dieses hypersensiblen musikalischen Neuerers, die Pletnjew komplett ausblendet. Anstatt doppelbödiger Virtuosität und glasklarer Strukturen offeriert uns das (etwas ausgebrannt wirkende) Multitalent ein sehr eigenwilliges, zähes Gemisch aus manierierter Pedanterie und versponnenem Mystizismus, als sei Prokofjew ein kleinerer Klangmagier irgendwo zwischen Rachmaninow und Skrjabin. Offenbar will Pletnjew den Landsmann so vom lästigen Stigma des “sozialistischen Realisten” reinwaschen. Glemsers Attacken erscheinen da geradezu erfrischend subversiv und revolutionär.

Attila Csampai, 31.03.1998



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