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Arvo Pärt

Da pacem Domine, Lamentate

Alexej Lubimov, Hilliard Ensemble, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Andrey Boreyko

ECM/Universal 476 3048
(43 Min., 6/2004, 4/2005) 1 CD

In sich hinein hören, kann zu einem Abenteuer werden. Denn hinter den unzähligen Schichten, die sich im Laufe eines Lebens gebildet haben, kann es tatsächlich jene sanften und unscheinbar sich bewegenden Klänge geben, die einen erst zur Ruhe und Besinnung kommen lassen. Aus der Einfachheit entstehen so Horizonte, die nicht den geraden Blick nach vorne herausfordern. Vielmehr sind es die meditativen und höchst reduzierten Ton-Gebilde, die eine archaische Weite und Großzügigkeit beschwören. Wenn daraus eine auratische Eindringlichkeit entsteht, wie sie der Este Arvo Pärt seit drei Jahrzehnten in seinen Kompositionen aufspürt und aufwühlt, ist man zwar nicht unbedingt prädestiniert, in den exklusiven Neue-Musik-Zirkel aufgenommen zu werden. Doch diese Distanz hat sich zumindest bei Pärt und auch darüber hinaus bei einigen seiner baltischen Komponistenkollegen als fruchtbar erwiesen.
Auch eine CD-Einspielung feiert den 70. Geburtstag von Arvo Pärt nicht mit riesigem Glockengeläut und opulenten Blumenbouquets. Der A-cappella-Satz "Da pacem Domine" (2004) sowie" Lamentate" (2002) für Klavier und Orchester sind von einer Unbedingtheit im Asketischen und von einer bezwingenden Radikalität in ihrer biblisch-christlichen Botschaft, dass sich die Frage nicht stellt, ob heute solche Bekenntnisse noch gegen den säkularen Zeitgeist ankommen können. Wenn sie mit einer solchen magischen Reinheit und Tiefe im Ausdruck gesungen werden, wie es das Hilliard Ensemble in "Da pacem Domine" in Vollendung schafft, zeigt sich nicht nur die Überlebensfähigkeit von Vokal-Formen aus dem 15. Jahrhundert. Und wenn wie in "Lamentate" die Schlichtheit heftig und rigoros aufgerüttelt wird, strahlt das Werk eine brennende Aktualität aus, für die man nicht avancierten Trends hinterlaufen muss.

Guido Fischer, 24.09.2005



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