Das Programm dieser CD gleicht einer Zeitreise: Von der gregorianischen Originalmelodie der mittelalterlichen „Stabat-Mater“-Sequenz geht es über die kontrapunktische A-cappella-Vertonung Palestrinas (1525-1594) zur „Stabat Mater“ des estnischen Komponisten Arvo Pärt (Jahrgang 1935), der auch in diesem Werk seine esoterische Ausrichtung der Minimal-Kompositionstechnik hochkonzentriert zur Entfaltung bringt. Der Palestrina-Zeitgenosse John Browne schließt den Kreis, in dem es dreimal um das biblische Thema der heiligen Maria geht, die vor dem Kreuze den Tod ihres Sohnes miterleiden muss.
Pärt hat seiner „Stabat Mater“ durch die Hinzunahme eines Gambenensembles eine neue Dimension gegeben; dessen harter, obertonreicher Klang erstrahlt manchmal wie eine Monstranz – und weist so ein klein wenig von jener Mystik auf, mit der schon Wagner im „Lohengrin“ das Leuchten des Grals umschrieb – und folgt dann wieder geheimnisvoll-schattenhaft im Bass der Textdeklamation. Die von Haus aus eigentlich für Alte Musik „zuständigen“ Musiker vom Taverner Consort und Fretwork verleihen Pärts Werk durch ihre hier auf eine moderne Partitur angewandte „historische“ Aufführungspraxis eine geradezu überzeitliche Dimension.

Oliver Buslau, 28.02.1997



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nordlicht: Aus dem damals dänischen Holstein stammend, wird Dieterich Buxtehude im Frühling 1668 der neue Kirchenmusiker an St. Marien in Lübeck. Mit der Übernahme von Amt (und Heirat der Tochter) von Franz Tunder führt er auch dessen „Abendmusiken“, festliche und groß besetzte Adventskonzerte, fort. Diese sind so erfolgreich, dass Buxtehude bald der strahlendste Vertreter der Norddeutschen Orgelschule ist, den zu besuchen sich Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Johann […] mehr »


Top