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Carl Nielsen

Sinfonien Nr. 1 und 2

Finnisches Radio-Sinfonieorchester, Jukka-Pekka Saraste

Finlandia/Warner Classics 0 685738 557424
(63 Min., 3/2001, 4/2001) 1 CD

Zur Blütezeit der Spätromantik komponiert, könnten die beiden sinfonischen Erstlinge des Dänen Carl Nielsen wohl kaum unromantischer sein. Nichts von diesem Gärungsprozess zwischen Tristanakkorden und Ganztonleitern findet sich in diesen kernigen, erfrischenden, im besten Sinne nüchternen Werken. Außer vielleicht einer entfernten Anlehnung an Brahms (im Gestus, nicht in der Kompositionsmethode!) spricht die Musik eine unverwechselbare, durch und durch persönliche Sprache, die auf Großes vorausweist, was in den nächsten vier Sinfonien und den Instrumentalkonzerten Nielsens mehr als erfüllt wird.
Die temperamentvoll-forsche, etwas windschnittige Art, die man vom finnischen Dirigenten Jukka-Pekka Saraste kennt, steht dem frühen, noch unproblematischen Nielsen deutlich besser zu Gesicht als den diffizileren Spätwerken. Insofern leistet sich Saraste mit dieser Einspielung auch keinen so eklatanten Fehlschlag wie mit seiner Aufnahme der Dritten und Sechsten Sinfonie. Im Gegenteil: Vor allem die Ecksätze gelingen ihm sehr überzeugend, mit Verve und unter Auskostung der rhythmischen Finessen. Sehr schön abgewogen, ruhig fließend, das melancholische Naturell adäquat repräsentierend, das "Andante malincolio" der Zweiten mit dem Untertitel "Die vier Temperamente".
Alles in allem, trotz einem gelegentlich spürbaren Hang zum Lapidaren, ist Saraste damit ein überzeugendes Plädoyer für den eigenständigen Sinfoniker Nielsen gelungen. Der Referenzstatus der Einspielungen mit Herbert Blomstedt (Decca) und Michael Schønwandt (Dacapo) bleibt zwar weiterhin bestehen, doch die beiden bieten die Werke jeweils in anderen Kopplungen an.

Thomas Schulz, 30.08.2001



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