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Johann Sebastian Bach

Goldberg-Variationen

Rosalyn Tureck

Deutsche Grammophon 459 599-2
(91 Min., 03/1998) 2 CDs

Ob man Bachs “Claviermusik” auf dem modernen Klavier oder auf dem Cembalo spielen soll, ist ein müßiger Streit. Wenn mich bei dieser Neueinspielung der “Goldberg-Variationen” durch Rosalyn Tureck ein Unbehagen beschleicht, dann nicht, weil diese Produktion auf einem Konzertflügel den instrumentenkundlichen Einsichten der historischen Aufführungspraxis zuwiderliefe.
Vielleicht habe ich bloß ein Generationsproblem. Denn neben alten Instrumenten erkunden Cembalisten wie Leonhardt und Koopman, aber auch ein Pianist wie Murray Perahia auch alte Spieltechniken. Nur so ist der Musik des Barock jenes lebendige Atmen zurückzugeben, durch das die Noten beginnen, als Klangrede zu uns zu sprechen. Für Tasteninstrumente fordert dies einen artikulatorischen Feinsinn, der zwischen schwarz und weiß, völlig abgetrenntem Staccato und völlig gebundenem Legato, eine Fülle hell- und dunkelgrauer Nuancen kennt.
Tureck hingegen zerreißt den Fluss der musikalischen Rede durch steten Wechsel zwischen spitzen Staccati und völlig angebundenen Notenpaaren. Auch die Erläuterungen Turecks im CD-ROM-Teil sind in dieser Hinsicht, wie die Dreingabe insgesamt, nicht sonderlich erhellend. Dabei würden gerade die “Goldberg-Variationen” zu einer detaillierten grafischen Darstellung ihrer komplexen Struktur anregen. Einzig interpretationsgeschichtlich ist die Begegnung mit Rosalyn Tureck von Interesse - Glenn Gould hat bei ihr studiert. Stand dieser vorgebliche Revoluzzer also doch fest auf dem Boden der romantischen Virtuosentradition des 19. Jahrhunderts?

Stefan Heßbrüggen, 01.12.1999



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