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Franz Liszt

Beethoven-Transkriptionen (Lieder) u.a.

Yung Wook Yoo

Naxos 6 36943 48392 3
(62 Min., 1/2000) 1 CD

Dieses CD-Debüt beginnt nicht gerade vielversprechend. Im Anfangsstück, dem virtuos aufgedonnerten "Capriccio alla turca", einem Potpourri nach Motiven aus den berüchtigten "Ruinen von Athen", bietet uns die dreiundzwanzigjährige Koreanerin Yung Wook Yoo recht sterile Einheitskost: Oktaven, Skalen, alles knattert und schnurrt akkurat erübt wie bei aberhunderten Pianisten mit Konzertexamen auch. Dieser dünne und zugleich stahlharte Diskant-Klang, den man nicht immer auf die Aufnahmetechnik schieben sollte, begegnet einem oft, wo fehlende Kraft kompensiert werden soll.
Man möchte die Produktion schon etwas gelangweilt beiseite legen, aber das sollte man nicht. In den Transkriptionen Beethovenscher Lieder zeigt Yung Wook Yoo nämlich ihre wahren Stärken an der kleinen Form. Hier hat sich auch ihr Ton gewandelt, der nun in allen Lagen an Fülle und Leuchtkraft gewonnen hat. Es ist schon eine Leistung, in den etwas kargen sechs "Geistlichen Liedern" aller Versuchung zu entgehen, etwas zu "machen", irgendeinen Effekt zu ersinnen.
Die junge Koreanerin beeindruckt aber nicht nur durch ernste Natürlichkeit, sondern auch durch ungewöhnlich sicheres Gespür für die richtige, sängerische Phrasierung. Wenn sie dann im "Bußlied" altmodisch nachschlagende Bässe als dosiertes Stilmittel einsetzt, verrät dieser winzige Ausblick auf nostalgische Stilmittel ein Raffinement, das sich klug hinter der Schlichtheit verbirgt.

Matthias Kornemann, 01.03.2001



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