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Franz Liszt

Sonate h-Moll, Méphisto-Polka u.a.

Mûza Rubackyté

Lyrinx/Helikon 7 94881 60692 4
(66 Min., 4/1997) 1 CD

Bei flüchtigem Durchhören würde man diese klangtechnisch beeindruckend lebendige Produktion vielleicht gleich ausmustern. Die 1989 aus Litauen nach Frankreich emigrierte Pianistin Mûza Rubackyté beginnt die "Dante-Sonate" reichlich pomadig, lässt die erregenden Akkordrepetitionen völlig im breiigen Pedal versacken. Alles klingt, als sei jede scharfe, aggressive motivische Kontur dick in Watte verpackt für irgendeinen Umzug. Und nicht selten, gerade in der h-Moll-Sonate, hört oder ahnt man durchaus manuelle Grenzen.
Hat man diese diese Schlaffheit der muskulösen Seite der Werke über sich ergehen lassen, wird man unvermutet in ein Rubato-Zauberreich geführt. Mit luxuriösem satten Klang breitet die Pianistin die lyrischen Themen aus. Ich kenne wenige neuere Aufnahmen, die das Andante Sostenuto der h-Moll-Sonate inniger aussingen als diese. Unweigerlich sieht man einen rötlich dämmernden Salon vor sich, scheint den dicken Samt zu fühlen. Ein recht nostalgisches Erlebnis. Aber es gefiel mir dann doch ziemlich gut. Legt man also die Neigung ab, eine Interpretation am Oktavenspektakel zu messen und versenkt sich in dieses wunderbar altmodische Spiel, öffnet sich eine ganz andere Lesart dieser Werke, die wir heute vorwiegend als Tummelplätze pianistischer Extremleistungen kennen.

Matthias Kornemann, 24.08.2000



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