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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Alexander von Zemlinsky

Streichquartette Nr. 3 und 4

Artis Quartett

Nimbus/Naxos NI 5604
(67 Min., 3/1998) 1 CD

Die Welt ist und bleibt ungerecht: Warum werden die Werke von Alexander Zemlinsky nicht genauso häufig aufgeführt und aufgenommen wie die Mahlers oder der Wiener Schule? Diese CD beweist es erneut: Zemlinskys Weg verlief zwar zwischen den beiden Extremen Mahler und Schönberg, aber es war eben nicht, wie so oft behauptet, ein Mittelweg. Zwischen den Extremen zarter Lyrik, spöttischer Ironie und offener Aggression sich bewegend, spricht Zemlinskys Musik eine faszinierend individuelle Sprache – einzigartig zumindest für die zumeist von einem pflegeleichten Neoklassizismus geprägten dreißiger Jahre. Die Tatsache, dass Zemlinsky sich nicht Schönbergs Zwölftontechnik aneignete und auch nie vollends den Boden der Tonalität verließ, scheint in der Vergangenheit eine ernsthafte Beschäftigung mit ihm verhindert zu haben.
Das dritte und vierte Quartett zeigen Zemlinsky auf der Höhe seiner Meisterschaft. Verschwunden sind die Brahms-Einflüsse des Frühwerks, und auch die sehnsuchtsvolle Spätestromantik der „Lyrischen Sinfonie“ oder des zweiten Quartetts sucht man vergeblich. Besonders Nr. 3 fasziniert in seiner gleichermaßen unmittelbar ansprechenden wie zerklüfteten und widerborstigen Physiognomie. Die, oberflächlich betrachtet, klassische Form wird zum Medium eines zügellosen Ausdruckswillens. In dieser Musik steht Zemlinsky auf der Höhe der Zeit, ohne avantgardistisch zu sein.
Wie auch schon in den Quartetten eins und zwei (siehe Kritik in RONDO 2/99) erweisen sich die Musiker des Wiener Artis-Quartetts als ideale Interpreten für die diffizile Musik Zemlinskys, beweisen, bei aller bewundernswerten Homogenität des Klanges, Mut zur Attacke und, wenn es sein muss, auch zur Hässlichkeit, etwa im zweiten Satz des dritten Quartetts. Und nicht zuletzt machen sie uns mit einer absoluten Rarität bekannt: dem Streichquartett der Zemlinsky-Schülerin Johanna Müller-Hermann – einer stilvollen, gekonnten und eingängigen Komposition.

Thomas Schulz, 30.04.1999



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