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Modest Mussorgski, Claude Debussy

Bilder einer Ausstellung, Sinfonische Fragmente aus "Das Martyrium des Heiligen Sebastian"

NDR Sinfonieorchester, Günter Wand

RCA/BMG 474321 75583 2
(54 Min., 9/1982, 2/1999) 1 CD

Claude Debussys 1911, also spät entstandene Musik zu Gabriele d'Annunzios Mysterienspiel "Das Martyrium des Heiligen Sebastian" steht seit der Uraufführung unter einem Unstern. Debussy, der von der damaligen Hauptdarstellerin Ida Rubinstein den Auftrag zur Komposition erhielt, wurde nicht rechtzeitig fertig; ein Helfer musste die Orchestrierung vollenden. Wegen des pathetischen Textes hat sich das Werk nicht gerade zum Publikumsliebling entwickelt. Und doch stecken darin die reifsten Orchesterarbeiten, die Debussy hinterlassen hat.
Der so vereinfacht als "Impressionist" eingeordnete Komponist zeigt sich hier als flexibler Beherrscher vieler Stil-Lagen. Die Palette reicht von antikisierenden, archaischen Strukturen bis zum Fin-de-Siècle-Überschwang, und man begreift schnell, dass Debussy hier sieben Jahre vor seinem Tod so etwas wie ein Vermächtnis abgegeben hat – die Summe seines Lebenswerkes.
Günter Wand hat dies früh erkannt und sich bereits in den fünfziger Jahren für das "Martyrium" eingesetzt. Seiner hier erstmals veröffentlichen Live-Aufnahme von vier Orchestersätzen des Werkes aus dem Jahre 1982 hört man die tiefe Vertrautheit mit dieser Musik an. Was an Wands Dirigat so begeistert – und das gilt auch für Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" in der Ravel-Fassung – ist die fast bescheidene Ökonomie, mit der musikalische Abläufe ihre hypnotische Wirkung entfalten. Obwohl die Orchestertranskription Ravels ja ausschließlich auf Effekten beruht, möchte man dieses Wort bei Wand nicht in den Mund nehmen: Auch die verschwenderischsten Klangfarben werden zum Grundpfeiler einer schlüssigen Darstellung. Nicht viele Dirigenten sind heute dazu fähig.

Oliver Buslau, 04.05.2000



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