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Johann Sebastian Bach

"Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten" BWV 207, "Schleicht, spielende Wellen" BWV 206, "Geschwinde, ihr wirbelnden Winde" BWV 201, "Schwingt freudig euch empor" BWV 36c

Dorothea Röschmann, Dana Hanchard, Axel Köhler u.a., Musica Antiqua Köln, Reinhard Goebel

Archiv Produktion/Universal 457 348-2
(112 Min., 01/1997) 2 CDs

Offene Türen rennt Reinhard Goebel ein, wenn er in seinem Begleittext zu dieser Aufnahme die Beschäftigung mit Bachs weltlichen Kantaten rechtfertigen zu müssen meint und dabei mit großem Eifer der “preußisch-protestantischen” Musikwissenschaft eins aufs Haupt zu geben versucht. Ein Blick in den Katalog zeigt, dass vor ihm durchaus schon andere - z. B. Peter Schreier, Gustav Leonhardt, René Jacobs oder Ton Koopman - den Wert dieser Stücke erkannt und sich für sie eingesetzt haben.
Im Vergleich zeigt sich Goebels Interpretation wesentlich profilierter, auch provokanter. Er scheut weder vor extremen Tempi noch vor pathetisch wirkenden Ritardandi zurück und lässt sein Orchester extrem pointiert artikulieren, was durchaus Aufmerksamkeit erregt, ja Leidenschaften erweckt - ob sie dann auch gestillt werden, ist eine andere Frage.
Die vokale Seite dieser Aufnahme kann nur eingeschränkt für sich einnehmen. Der Chor “ex tempore” verfügt allenfalls über eine durchschnittliche Stimmbildung, die fünf männlichen Solisten (Axel Köhler, Christoph Genz, Scot Weir, Hans-Georg Wimmer und Stefan Geyer) lassen in ihrer Tonmodulation bisweilen den rechten Kern vermissen, doch zumindest mit Dorothea Röschmann und Dana Hanchard hat Goebel ein glückliches Händchen bewiesen. Ein Produkt, an dem sich die Geister scheiden werden.

Theodor Schliehen, 01.12.1999



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