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Creole Classics: Original 1944 - 1947 Recordings

Kid Ory

Naxos Jazz Legends 8.120587
(54 Min., 1944 - 1947) 1 CD

Selbst wer keine einzige Kid-Ory-Platte besitzt, kennt ihn doch: Zunächst, weil er der wichtigste Vertreter des von jüngeren Herrschaften wie Craig Harris oder Ray Anderson in verändertem Kontext wiederaufgegriffenen Tailgate-Posaunenstils ist, der sich durch starke Glissandi, ausgeprägtes Vibrato und einen Hang zu Portamenti auszeichnet; und dann, weil seine Aufnahmen als Mitglied von Jelly Roll Mortons Red Hot Peppers, King Olivers Dixie Syncopators und Louis Armstrongs Hot Five zum Heiligen Gral des frühen Jazz gehören.
Damit sind Orys Verdienste noch nicht annähernd aufgezählt: In seinen Bands wirkten neben Armstrong und Oliver schon in den zehner Jahren die Klarinettisten Jimmie Noone, Sidney Bechet und Johnny Dodds mit. Den berühmten, ihm zugeschriebenen "Muskrat Ramble" hat zwar Louis Armstrong komponiert, aber der 1886 geborene Ory verantwortete als Kopf von "Spikes' Seven Pods Of Pepper" bereits 1921 die erste Einspielung einer schwarzen Jazzformation.
Kid Ory und sein Trompeter Mutt Carey mussten während der Swingära die Musik vorübergehend aufgeben. Sie profitierten aber vom Ende der dreißiger Jahre einsetzenden Revival des traditionellen Jazz. Bei dieser ersten Wiederbelebung eines historischen Jazzstils waren noch Jazzer der ersten Stunde am Werk: Ory, Carey und ihr langjähriger Bassist Ed Garland, der von sich behauptete, 1904 mit dem legendären Buddy Bolden aufgetreten zu sein, gehörten zu "Spikes' Seven Pods Of Pepper" - nun bildeten sie den Kern der "Creole Jazz Band", einer der stilbildenden Dixieland-Formationen.
Die Aufnahmen für fünf verschiedene Labels stammen alle aus derselben Periode; allerdings wäre noch zwanzig Minuten Platz auf der CD gewesen. Klarinettenfans werden sich über ein Wiederhören mit Omer Simeon und Barney Bigard freuen. Der Texter des Beihefts hat viel über Orys langes Leben (er starb 1973 hochbetagt auf Hawaii), aber nichts über seine Musik mitzuteilen.
Das Dixie-Repertoire aus Rags, Märschen, Hymnen, Blues und populären Melodien vom Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich bis heute kaum erweitert, die Ausführung wurde dabei um den Preis des Improvisatorischen sauberer, aber auch schematischer. Halten Sie sich lieber an diese Originale!

Mátyás Kiss, 28.02.2002



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