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Universal Syncopations

Miroslav Vitous

ECM/Universal 038 506-2
(54 Min., 3/2003) 1 CD

Seit über dreißig Jahren steht Manfred Eichers ECM-Label für hochsensibel gestaltete Editionen. In dieser Zeit wurde zur Gewissheit: Von Manfred Eicher lernen, heißt hören lernen. Aber auch er selber hatte, bevor er den Kontrabass aufgab und sich ganz dem Produzieren zuwandte, seine persönliche Schule des Hörens absolviert, und eine der wichtigsten Lektionen in diesem Lern- und Reifeprozess markiert das erlebend nachvollzogene Miroslav-Vitous-Album “Infinite Search” von 1969. Diesseits des Free Jazz artikulierte sich da eine Freiheit, die mit tänzelnder, feinnerviger Rhythmik, souverän jonglierender Harmonik und virtuoser Instrumentalstimmführung enthusiastisch bebend von der flirrenden Leichtigkeit des Seins kündete und doch auch dessen Abgründe erahnen ließ. Der Saxofonist Joe Henderson, dazu John McLaughlin, Herbie Hancock, damals am Fender-Rodes-E-Piano, und Jack DeJohnette waren die Mitstreiter des Bassisten Miroslav Vitous, dessen beseelte Tiefton-Linien der Musik rhythmische Kontur und doch gleichzeitig fast sanghafte Leichtigkeit gaben. Manfred Eichers erste Jan Garbarek Produktion “African Pepperbird” ist von ähnlicher Ästhetik durchdrungen.
Nach langen Lehr- und Wanderjahren unternimmt es jetzt der tschechische Meisterbassist, in der Obhut Manfred Eichers dem historischen Album einen zweiten Teil folgen zu lassen. Und so hat es seine innere Logik, wenn Jan Garbarek den Part des Saxofonisten übernimmt. Auch Chick Corea fügt sich hier schlüssig ein. John McLaughlin und Jack DeJohnette sind unverzichtbar und präsent. Die ersten Takte scheinen zunächst nicht über eine sehr gute ECM-Produktion hinausweisen zu wollen. Doch dann entwickelt sich die Musik im weit gespannten Bogen über die neun Tracks zu einem packenden Hörerlebnis und entlarvt die Ankündigung der Produktinformation vom Weiterspinnen des Erzählfadens aus “Infinite Search” als sympathische Untertreibung. Hier wird demonstriert, zu welch frischer, entdeckungsfreudiger und mitunter auch herrlich sperriger Musik reifen kann, was da einst in wilden jungen Trieben spross; ein Meisterwerk der Spieler und des Produzenten - und für viele sicher auch ein Garbarek-Erlebnis der ganz vitalen Art.

Thomas Fitterling, 18.10.2003



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