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80th Birthday Celebration

Sarah Vaughan

Fantasy/ZYX FANCD 6090-2
(214 Min., 1946-1982) 3 CDs

Bis in die achtziger Jahre war der Kanon des weiblichen Jazzgesangs ebenso kurz wie unumstritten: Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Sarah Vaughan. Zuweilen gab es heftige, musikentleerte Debatten, wem nun die Krone gebühre, der robusten Vitalistin Ella, der natürlichen Reduktionistin Billie Holiday oder der sensiblen Virtuosin mit dem voll-kehligen, vibratomächtigen Timbre Sarah Vaughan. Letztere machte es ihren Anhängern aus dem reingläubigen Jazzlager immer wieder schwer. Die bewunderten zwar ihren stupenden Stimmumfang, ihren intelligenten, quasi instrumentalistischen Umgang mit der Motivik und eben auch der Harmonik des Materials, hatten dann aber ihre Schwierigkeiten mit den für europäische Ohren Jazz-fernen Produktionen. Die vorliegende, von RONDO-Autor Marcus A. Woelfle besorgte und hervorragend kommentierte Kompilation zeigt das weite Spektrum der Sängerin auf. Sie beginnt mit ihren Anfängen in der John-Kirby-Band, entführt uns dann für sieben Titel zum legendären Newport Festival von 1957, wo Sarah Vaughan Jazz pur mit Jimmy Jones, Richard Davis und Roy Haynes ablieferte, präsentiert dann Ms Vaughans Begegnung mit der Musik Brasiliens - ob das voluminös samtene Organ die spezifische Latin-Atmosphäre trifft, kann sicher heiß debattiert werden. Weiter geht es mit Ausschnitten aus den beiden Duke-Ellington-Songbook-Produktionen, bei denen auch manches Arrangement Stirnrunzeln hervorrufen mag. Unumwundene Jazzer-Begeisterung ist dann den Aufnahmen mit der Basie-Band sicher. Stiller Jubel schließlich ist den letzten Titeln gewiss; es sind Perlen des Vokaljazz, diese Aufnahmen mit Oscar Peterson, Joe Pass, Ray Brown und Louis Bellson, und die aus dem Jahre 1982 mit Sir Roland Hannah und wiederum Joe Pass.
Mit verhaltener Trauer nimmt man die letzte der drei CDs aus dem Player. Wiederum ist bewusst geworden, dass die klassische Epoche der großen Stilbildner endgültig vorbei scheint.

Thomas Fitterling, 29.05.2004



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