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The Complete Columbia Recordings 1949 - 1953

Sarah Vaughan

United Archives/harmonia mundi
(1949-1953) 3 CDs

Mit Boxen wie "Miles Davis: The Complete Live Recordings 1948-1955" (10 CDs) oder "Charlie Parker: The Last Notes 1953-1954" (2 CDs) lässt United Archives Sammlerherzen höher schlagen: Es sind unschlagbar günstige wie sinnvoll zusammengestellte Editionen, mit denen man leicht nicht nur Lücken einer Sammlung schließen kann, sondern Riesenlöcher. Die "Complete Columbia Recordings" der "Divine One" markieren einen Wendepunkt in der Karriere Sarah Vaughans. Zuvor war sie das große Gesangstalent des Jazz, mit ihnen wurde sie auch zum Schlagerstar. Große Vokalisten wie Nat King Cole oder Frank Sinatra standen im Ruf, den Jazz nur als Leiter zu einer ertragreicheren Karriere missbraucht zu haben. Wiewohl sie heute fast nur als Jazzvokalistin in Erinnerung ist, war es bei Sarah Vaughan nicht anders. Ein Nachschlagewerk der 60er Jahre stellt kategorisch fest: "Ihre Produktion seit 1949 hatte im Übrigen überwiegend kommerziellen Charakter." In den USA nimmt man die Grenzen zwischen Jazz und Pop nie so genau; große Plattenfirmen ließen wenig künstlerische Freiheiten. 1949 bis 1953 entstanden Sarah Vaughans Aufnahmen für Columbia, die sie zum internationalen Star machten. Jene mit einem Oktett um Miles Davis, Tony Scott und Budd Johnson sind zweifellos der Höhepunkt und rechtfertigen aus Jazzwarte allein schon den Kauf der preisgünstigen Box. Mit Columbiahits wie "Black Coffee" konnte Sassy gleichermaßen Jazzfreunde und breitere Hörerschichten ansprechen. "Pinky", ganz ohne Text auf Vokalisen aufgebaut, dient allein der (Selbst-)Bewunderung ihres betörenden Organs. Doch daneben finden sich zuhauf unsägliche Schnulzen, die verständlich machen, warum Columbia selbst es 1988 bei einer auf zwei CDs gestreckten Kurzauswahl der besten Stücke bewenden ließ. Und doch: Selbst wenn ein Song und sein Arrangement am Rande erträglicher Kitschigkeit ist, kann man kaum umhin, sich am Klang der vollkommensten Stimme zu berauschen, die der Jazz je hervorgebracht hat. Bonus Tracks ergänzen die Columbias durch Aufnahmen für Guild, Crown, HRS und MGM. Diese stammen noch aus den mittleren und späten 40er Jahren und zeigen die junge Sarah Vaughan auch von ihrer dezidiert jazzigen Seite. Ihr berühmter "Lover Man" mit Charlie Parker und Dizzy Gilepsie ist auch dabei.

Marcus A. Woelfle, 12.05.2007



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