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Pioneer Recording Bands 1917 - 1920

Diverse

Retrieval/Sunny Moon RTR 79043
(73 Min., 1917-1920) 1 CD

Als die Original Dixieland Jass Band - ja, damals noch mit zwei s geschrieben - im Jahr 1917 den Verantwortlichen von Columbia vorspielte, waren diese davon so wenig angetan, dass sie sich die Gelegenheit entgehen ließen, als erste Jazz auf den Plattenmarkt zu bringen. Erst als der Erzkonkurrent Victor zuschnappte, holte sie die Mannen aus New Orleans und machte jene Aufnahmen, mit denen diese Anthologie anhebt. Doch alle zusammen hatten nicht genug Pioniergeist, gleich auch schwarzen Jazz aufzunehmen. Das vorhandene Material aus der Urzeit veranlasste einst einen bekannten Jazzschriftsteller zu seiner lebenslang verfochtenen Theorie, die Weißen hätten den Jazz erfunden. Er nahm als Beweis, was doch nur das Resultat einer Mischung aus kühlem Geschäftskalkül, Unwissen und Rassismus gewesen sein kann. Den meisten Nachgeborenen war aber die Benachteiligung der schwarzen Musiker so peinlich, dass die Musik der weißen Pioniere fast aus dem kollektiven Jazzgedächtnis verdrängt wurde. Dabei waren die Vergessenen doch alle, wie hier nachzuhören ist, hervorragende Entertainer: Earl Fuller’s Famoaus Jazz Band, Original New Orleans Jazz Band, Gorman’s Novelty Syncopators, Louisiana Five Jazz Orchestra, Whiteway Jazz Band und - ja, richtig, der spätere Film-Komiker mit der großen Nase - Jimmy Durante’s Jazz Band. Dieser Jazz ist noch Ausdruck reinster Lebensfreude, laut und lustig, ein inzwischen verlorenes Paradies der musikalischen Unschuld, in dem noch mit Sinn für groteske Instrumentaleffekte straflos gewiehert und gebellt werden darf und ohne akademisches Wissen die schönste Polyphonie entsteht. Diese Anthologie, da besteht keine Frage, gehört ins CD-Regal eines jeden, der sich für die Anfänge des Jazz interessiert.

Marcus A. Woelfle, 08.05.2004



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