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Second Brain

Sebastian Gramss Underkarl

Enja HW 9143-2
(50 Min.) 1 CD

Die Bilanz von "Underkarl" ist für deutsche Jazz-Maßstäbe ungewöhnlich. Immerhin absolvierte das Quintett um den Bassisten Sebastian Gramss in den vergangenen zehn Jahren 350 Auftritte - und dies nicht nur in Clubs, sondern auch bei renommierten Festivals. Ein Wunder ist dies nicht, denn die Jungs haben eine schlüssige Mischung aus Rock, Jazz, Pop und Tanzgrooves gefunden. Sie scheuen sich nicht vor Samples, vor den Klängen der "Noisetables". Ja, sie genehmigen sich sogar morbide Gesangseinlagen ihres Gasts Hayden Chisholm. Wer mit Pink Floyd aufgewachsen ist, entdeckt Spuren seiner eigenen Biografie in der Musik, und wer erst mit "The Cure", House und HipHop groß wurde, kann ebenfalls Andeutungen dieser Musik in den Klanggespinsten entdecken. Andererseits streuen der Posaunist Nils Wogram und der Saxofonist Lömsch Lehmann melodienreiche und hektische Soli ins abwechslungsreiche Geschehen. Da fühlt man sich kurz an Schmuseballaden erinnert - und schon wenig später reißt einen das maschinell wirkende Zischen der Samples oder instrumentaler Bombast aus der Gemütlichkeit. Das souveräne Spiel mit derart widersprüchlichen Elementen, dazu ein feines Gespür für Zeitabläufe und Spannungszustände und eine große Portion musikalischen Humors sorgen für Kurzweil. Irgendwer nannte das Ergebnis "Grunge Jazz", und dieser Terminus passt perfekt. Zwei Videos im Quicktime-Format ergänzen das Musikangebot.

Werner Stiefele, 19.07.2003



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