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Brown Street

Joe Zawinul

BirdJam/Intuition/Sunny Moon 3450-2
(84 Min., 10/2005) 2 CDs

Mit der Band Weather Report etablierte sich der Wiener Keyboarder Joe Zawinul im Jazz-Olymp. Die Hits dieser Band wurden zwar tausendfach nachgespielt - aber fast immer fehlte ein Quäntchen zu jener hochgepushten Energie und Spielfreude, die Weather Report auszeichneten. Doch es geht auch anders. Jetzt, beim Live-Mitschnitt vom 26. Oktober 2005 aus Zawinuls Wiener Club "Birdland" stimmen Arrangements, Druck und Tempo. Da marschiert der Ex-Weather-Report-Bassist Victor Bailey mit einem magischen Ostinato im Titelstück "Brown Street" los, da schlägt der Ex-Weather-Reporter Alex Acuña federnde Beats, und die WDR Bigband groovt so vehement, wie dies nur selten in der Bigband-Geschichte zu hören war. Vince Mendoza hat das Meisterwerk vollbracht, neun ehemals für kleine Besetzung geschriebene Stücke für den großen Klangkörper einer Bigband umzuschreiben. Nur eins, "Procession", hat Zawinul selbst bearbeitet. Er ist auch an den Proben beteiligt gewesen und hat beim Konzert an den -wie stets mit üppigen, oft skurrilen Sounds ausgestatteten Keyboards gesessen. Das Projekt war dem 74-Jährigen wichtig, und es ist zu spüren, dass er in der Vorbereitungsphase auf jedes Detail geachtet hat. So wird das einst für Miles Davis komponierte "In A Silent Way" zu einem romantischen Kleinod, dessen weiches, vielschichtiges Klangbild die Winterlandschaft auferstehen lässt, die Zawinul einst zum Thema inspirierte. In "A Remark You Made" hingegen spiegeln sich Einsamkeit und Melancholie. Ansonsten geht die Band mit Hochdruck zu Werke - sei es in "Fast City", einem Medley aus "Badia" und "Boogie Woogie Waltz", "Black Market", "March Of The Lost Children" oder in dem grandios federnden "Night Passage". Brillant steigert sich "Procession" von dünnen Klängen in opulente Trance. Wer bei "Carnavalito" nicht tanzte, musste aus Stein sein. Joe Zawinul hat die Chance genutzt, die ihm die Zusammenarbeit mit einer der führenden deutschen Radio-Bigbands bot. Besser lassen sich die Klassiker nicht mit einer Großformation umsetzen.

Werner Stiefele, 10.11.2006



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