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Attila Zoller, Helmut Kagerer

Acoustic Music/Zomba 319.1287.242
(42 Min., 1995-1998) 1 CD

Attila Zollers 1965-er Album “The Horizon Beyond” wird stets als Paradebeispiel für Free-Jazz-Gitarristik zitiert, dabei swingt es, trotz abrupter Tempowechsel und frei-atonaler Passagen in einer Weise, die verrät, dass da kein Gitarren-Berserker am Werke ist. Das Avantgarde-Etikett haftet immer noch an Zoller, und wenn noch so viele Alben mit Straight Ahead Jazz erscheinen, etwa dieses. Im Grunde seiner Seele war der ursprünglich vom Cool Jazz geprägte Zoller trotz seines martialischen Vornamens, ein großer Lyriker der Gitarre mit einem wunderbar warmen, seelenvollen Sound, dessen Spiel in jedem Umfeld Klarheit, Luftigkeit und Durchsichtigkeit bewahrte. Zeitlebens war Zoller ein immenser Meister der Klein- und Kleinstbesetzungen. Gerade im Duo mit Größen wie Jimmy Raney oder Albert Mangelsdorff schien Zoller die Gedanken seiner Kollegen zu lesen. Letzterer bekundete: “Attila hat Dinge, die ich spontan spielte, mit seinem unheimlichen Ohr, seinem unheimlichen Einfühlungsvermögen, harmonisch sinnvoll gemacht.”
Zu diesen großen Duo-Alben müssen nun auch die intimen Zwiesprachen mit dem 34 Jahre jüngeren Helmut Kagerer gezählt werden, der Zoller 1988 in München kennen lernte und sich innerhalb von vier Jahren vom Bewunderer und Schüler zum Duo-Partner entwickelte. Ein ungleiches Paar? Keineswegs! Das liebenswürdig-bescheidene Naturell des freundlichen Bayern, der sich, aus welchen Gründen auch immer, nie ins Rampenlicht gedrängt hat, hat Insider noch nie darüber hinweggetäuscht, dass Kagerer zu den großen Jazzgitarristen Europas gehört. Machen wir die Probe aufs Exempel: Wer sie nicht an ihrer Spielweise erkennt, wird kaum an den Soli oder an der Begleitung entscheiden können, wer hier der Schüler und wer der Lehrer ist, denn Meister sind sie alle beide! Ob im gewitzten kontrapunktischen Stimmengeflecht von “Heidiology” oder in der fast heiteren Versonnenheit von “Alone Together”, das man für diese Version gerne in “Not alone, but together!” umtaufen möchte, überall erfreut man sich an der sprichwörtlichen traumwandlerischen Sicherheit, mit der sich die beiden die Bälle zuwerfen.
Apropos “alone”: Die 1995 vom Bayerischen Rundfunk in Nürnberg mitgeschnittenen Duo-Aufnahmen (überwiegend Stücke aus Zollers Feder) werden durch zwei aufschlussreiche, spätere Solo-Aufnahmen der beiden ergänzt. Kagerers Solo-Version von Monks “Round Midnight” kann sich mit Klassikern wie Joe Pass’ Solo-Deutung von 1973 durchaus messen lassen. “Dreambells”, das den Kirchenglocken seiner ungarischen Geburtsstadt Visegrad gewidmete Free-Jazz-Stück mündet zum Ausklang des Albums in ein anmutiges Peace-Tune - der ganze Zoller in einer wenige Tage vor seinem Tod eingespielten Live-Aufnahme.

Marcus A. Woelfle, 01.02.2003



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