Responsive image
Johann Sebastian Bach

Das Wohltemperierte Klavier (Band 1)

Jewgenij Koroljow

Tacet 4 009850 009306
(129 Min., 12/1998) 2 CDs

Glenn Gould hat einmal darauf hingewiesen, dass seiner Meinung nach in Bachs "Wohltemperiertem Klavier" nur die Fugen von Belang seien. In seiner Einspielung des ersten Buches dieses Zyklus' widmet sich Jewgenij Koroljow hingegen gerade den Präludien mit einiger Hingabe, vor allem wenn sie (wie beispielsweise das in es-Moll) ins Nocturnehafte spielen. Aber die Fugen, die Fugen ... Sie werden von Koroljow bestenfalls exekutiert, mit uniform nähmaschinenhaftem Finger-Staccato und jenen trompetenhaften Themen-Einsätzen, an denen auch musikalische Analphabeten ablesen können, dass es sich hier wohl um ein Stück Mehrstimmigkeit handeln müsse (dass auch manche Nebenstimme einmal liebevolle Zuwendung vertragen könnte, interessiert ihn hingegen weniger).
Schlimm genug, doch vollends verzweifelt man erst in der einzigen zweistimmigen Fuge des Zyklus, nämlich der in e-Moll. Zwei Stimmen sind nicht viel für eine Fuge. Um so bemerkenswerter ist es, dass Bach diese gerade einmal zwei Stimmen mehrmals unisono, im Einklang führt - gegen alle Schulregeln, mit einem gehörigen Augenzwinkern. Das überhört Koroljow, durchrast das Stückchen, ohne nach rechts und links zu schauen. Ein Pianist, der keine Ader für Bachs musikalischen Humor hat, sollte aber die Finger von seiner Musik lassen (und vielleicht doch besser Chopin spielen).

Stefan Heßbrüggen, 01.12.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Wo kam das auf einmal her? Fragte man sich, als im November vergangenen Jahres dieser Schubert-Zyklus mit Nikolaus Harnoncourt und dem Chamber Orchestra of Europe aus den ORF-Archiven wie von Zauberhand wiederauftauchte. Harnoncourt war mit dem Kammerorchester eng verbunden, die Schubert-Sinfonien hatte er beim von ihm gegründeten Styriarte-Festival in Graz 1988 wellenschlagend dargeboten. Nun ist der Live-Mitschnitt auf 4 CDs erhältlich. Sowohl der Dirigent als auch das Orchester beweisen […] mehr »


Top