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Stoa

Nik Bärtsch’s Ronin

ECM/Universal 1939
(57 Min., 5/2005) 1 CD

Diese Musik schleicht sich ganz unauffällig heran, träge, verhallt, obertonreich, wie der erste tiefe Ton auf dem Klavier, mit dem der Schweizer Pianist Nik Bärtsch die Aufnahme "Stoa" beginnt. Lange passiert nichts. Dann wiederholt sich das träge Grollen. Eine Bassgitarre gesellt sich irgendwann hinzu. Und aus dem Dickicht treten unvermittelt Schlagzeug, Perkussion und Bassklarinette. Da ist es auch schon zu spät. Nik Bärtsch’s Ronin, benannt nach den Söldnertruppen aus dem alten Japan, haben den Hörer längst gefangen genommen.
Gegenwehr erscheint zwecklos, weil die Kampftechniken des eidgenössisch-schwedischen Zusammenschlusses vollkommen verblüffend sind. Hier ist eine Philosophie am Werk, die verschiedenste Denksysteme schlüssig miteinander verbindet und verzahnt - ähnlich wie die sich ständig überlagernden Rhythmus- und Melodie-Pattern des Quintetts. Der Minimalismus eines Steve Reich verbrüdert sich auf "Stoa" mit den Hüftschwüngen eines James Brown, die Gemütsruhe eines fernöstlichen Teehauses wird durchtränkt von dem dampfenden Schweiß einer endlosen Trance-Tanznacht. Man könnte noch viele Vergleiche für die Paradoxie dieser sensationell aufregenden CD auffahren. Aber ob man ein adäquates Bild dafür fände, wie Bärtsch und die Seinen extrem intellektuell durchformte und gleichzeitig absolut nachvollziehbare Musik machen, bleibt fraglich.
Die Stücke tragen Namen von durchnummerierten Modulen, was zunächst sehr kalt wirken mag. Aber, so schreibt der begnadete Chefarchitekt Bärtsch im Booklet: "Sie können wie Räume betreten und bewohnt werden". Recht hat er. Man möchte aus diesen Herzkammern nicht mehr raus. Weil es hier immer neue Details zu entdecken gibt in der Struktur der Wände und dem unaufhörlichen Beben des Resonanzbodens.

Josef Engels, 29.04.2006



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