Responsive image
Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven

Violinkonzert e-Moll, Violinkonzert D-Dur

Nikolaj Znaider, Philharmonisches Orchester Israel, Zubin Mehta

RCA/Sony BMG 82876 69217-2
(72 Min., 7/2005) 1 CD

Normalerweise im Doppelpack mit dem g-Moll-Konzert von Bruch verschnürt, hält Mendelssohns "großes" Violinkonzert in e-Moll durchaus auch die direkte Konkurrenz mit Beethoven aus - und verführt so zum aufschlussreichen Vergleich zwischen zwei sehr eigenwilligen Verwandten. Dass dieser Vergleich sich im vorliegenden Fall ganz auf die Werke konzentrieren kann, und von deren Wiedergabe nicht abgelenkt wird, liegt vor allem daran, dass hier zwei Musiker ganz auf Nummer sicher gehen. Vielleicht hat ihm der alte Hase Zubin Mehta zur Vorsicht geraten, jedenfalls will der 30-jährige dänisch-jüdische Geiger Nikolaj Znaider bei seiner Meisterprüfung mit den beiden großen Klassikern offensichtlich partout nichts falsch machen. Er spielt fabelhaft präzise, mit einem über alle Register durchsetzungsfähigen Ton, einer flexiblen, dynamischen Bogenführung, mit atmender Phrasierung, mit einem wachen Ohr für das von Mehta mit breiten Strichen geführte Orchester, kurz: er macht irgendwie alles mehr oder minder richtig, doch er macht es auch ein ganz klein wenig langweilig. Noch dort, wo - wie etwa im Finale bei Mendelssohn - die Zügel durchaus mal schleifen dürften oder wo die Kreisler-Kadenz das milde Beethoven'sche Allegro würzen, wenn nicht gar kurzfristig durchbrechen könnte, wirkt Znaider seltsam schüchtern und gehemmt. Das äußerst still und langsam genommene Larghetto, das Zentrum des Beethoven-Konzerts, verstärkt den Eindruck: Man spürt Znaiders Willen, sich von der Musik tragen zu lassen, und man spürt zugleich einen Hauch von Angst davor, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Nur dann aber kann man wirklich abheben.

Raoul Mörchen, 18.11.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Kennen Sie William Sterndale Bennett? Wahrscheinlich nicht. Der Komponist, der Hans Christian Andersen nicht unähnlich sah, war der Sohn eines Organisten. Als Chorknabe bei der King’s College Chappell ausgebildet, studierte er an der Royal Academy of Music – eine durch und durch britische Verwurzelung. Doch seine heimliche Liebe gehört den deutschen Romantikern. So besucht er Deutschland, trifft Felix Mendelssohn Bartholdy, der ihn nach Leipzig und als Solist ins Gewandhaus einlädt. Dort […] mehr »


Top