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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Violinkonzerte

David Oistrach, div. Orchester und Dirigenten

Brillant Classics/Joan Records 92609
(560 Min., 1939 - 1968)

"Musik war sein einziges Fenster zur Sonne", fasste Mstislaw Rostropowitsch das Leben David Oistrachs zusammen; westliche Kollegen, die ihm bei Auslandstourneen begegneten, berichten u.a., Oistrach habe nicht einmal genug Geld für ein Telefongespräch mit seiner Familie in der Sowjetunion zur Verfügung gehabt. Sein Dasein als "Künstler des Volkes" während der Stalin-Ära war hart und unbarmherzig, und vielleicht führte dieser Umstand zu jener Strenge und Unbedingtheit, zu jener verzweifelten Entschlossenheit, die auch in den allerlieblichsten Kantilenen, die Oistrach seinem Instrument entlockte, immer zu spüren ist. Mächtig und kraftvoll ist sein Ton im Forte, überaus zart und betörend süß im Piano. Oistrach gebietet über ein weites klangliches und dynamisches Spektrum; als eines der Hauptmerkmale seiner Gestaltung kann man die stetig vorwärtsdrängende Energiegeladenheit betrachten, die dem Hörer kaum jemals eine Atempause gönnt. Ein schnelles, intensives Vibrato verstärkt die Durchschlags- und Suggestionskraft seine Spiels; unweigerlich fesselt und verzaubert Oistrach schon nach wenigen Takten, zu erleben etwa in der langen solistischen Passage am Beginn von Ravels "Tzigane", die zu den Perlen dieser umfangreichen Box gehört.
Auf zehn CDs bietet die Anthologie nicht nur eine repräsentative Auswahl aus dem romantischen konzertanten Violinrepertoire – die Violinkonzerte von Beethoven, Mendelssohn, Dvořák, Sibelius und Tschaikowski sind darunter –, sondern auch weniger bekannte osteuropäische Literatur: Die Konzerte von Miaskowski, Szymanowski, Glasunow oder Kabalewski harren bei uns noch der verdienten Entdeckung. Moderneres Repertoire wie die Konzerte Bartóks, Hindemiths und Strawinskys ergänzen die Sammlung ebenso wie die beiden Konzerte Schostakowitschs, die Oistrach beide aus der Taufe hob. Die meisten Aufnahmen stammen aus den sechziger Jahren und sind von entsprechend akzeptabler Tonqualität; die älteren weisen diesbezüglich teilweise gewisse Schwächen auf, was aber vor dem Hintergrund der dokumentierten künstlerischen Leistung (und des Preises der Box!) ohne weiteres zu verschmerzen ist.

Guido Fischer, 20.08.2005



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