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Paul Hindemith

Sancta Susanna, Suite aus "Tuttifäntchen" u.a.

Leeds Festival Chorus, BBC Symphony Orchestra, Yan Pascal Tortelier

Chandos/Koch CHAN 9620
(69 Min., 5/1997) 1 CD

Paul Hindemith ist hier von einer unbekannten Seite zu erleben. Der knapp über zwanzigjährige Komponist beweist in seinen frühen Bühnenwerken, die um 1920 nach expressionistischen Vorlagen entstanden sind, durchaus Routine im Umgang mit dem großen Orchester; seine Begeisterung für den spätromantischen Stil, insbesondere für Richard Strauss, ist jedoch - trotz persönlicher Note - nicht zu überhören.
Hauptwerk ist “Sancta Susanna”, eine von drei Kurzopern, die wegen ihrer anstößigen Handlung noch heute zu provozieren vermögen. Von der zweiten Oper der Trilogie, “Nusch-Nuschi”, wurde eine Suite eingespielt. In “Sancta Susanna” geht es um die erotischen Wahnvorstellungen einer Nonne. Unheilvolle Klangflächen mit markanten Motiven wechseln ab mit weit ausholenden Gesten im Orchester und in den Gesangspartien. Den Solistinnen Susan Bullock und Della Jones werden gewaltige Anforderungen hinsichtlich Stimmumfang, Volumen und Gestaltung abverlangt. Sie meistern diese bravourös, wenn auch mit leichtem Akzent.
Dirigent und Orchester vermögen einerseits den statischen Passagen Spannung zu verleihen, andererseits die üppig orchestrierten Abschnitte wirkungsvoll auszukosten. Kurios ist der vom Komponisten notierte Dialekt in der Sprechrolle der Magd. Als Kontrast dazu wirkt die Suite aus “Tuttifäntchen”, eine Weihnachtspantomime für Kinder, relativ einfach gehalten und mit Wiedererkennungseffekt.

Peter Overbeck, 30.04.1998



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