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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Hans Werner Henze

Ode an den Westwind, Fünf neapolitanische Lieder, Drei Dithyramben

Roland Hermann, Gustav Rivinius u.a., Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, Stanislaw Skrowaczewski

Arte Nova/BMG 7 43218 94042 2
(58 Min., 2/1997, 3/1988, 10/1999) 1 CD

Hier kommt eine etwas verspätete, gleichwohl willkommene CD zum 75. Geburtstag Hans Werner Henzes mit Werken aus den fünfziger Jahren. Henzes Beziehung zu Italien steht in diesen drei Kompositionen im Vordergrund; sie beschreiben eine Entwicklung, die mit den Stichworten Annäherung, Huldigung und Assimilation gekennzeichnet werden könnte.
Die 1953 entstandene "Ode an den Westwind" für Cello und Orchester ist das erste Werk, das Henze in seiner neuen Heimat Italien vollendete. Die schillernden Farben der Instrumentation und die flukturierende Akkordik atmet bereits deutlich südliche Luft, die Tonsprache zeigt sich jedoch teilweise noch vom deutschen Expressionismus nach-schönbergscher Prägung beeinflusst. In den "Fünf neapolitanischen Liedern" huldigt Henze ganz unverstellt dem italienischen Melos; fast könnte man das Werk, eines der schönsten aus Henzes früher Schaffensperiode, ein Belcanto-Stück nennen, gleichwohl in Henzes ureigener Grammatik.
In der Tonsprache der "Drei Dithyramben" schließlich stehen melodiöse, mediterrane Elemente als gleichberechtigte Elemente neben zwölftönigen Kompositionsprinzipien. Henze hat Italien nun völlig in seine Klangwelt aufgesogen. Wohlgemerkt: Dies ist keine italienische Musik, sondern unverkennbar die eines deutschen Komponisten, der in der Landschaft und den Menschen Italiens seinen Traum erfüllt sieht, sein Arkadien gefunden hat.
An den Interpretationen ist nichts auszusetzen, wenn auch im Falle der "Ode" und den Liedern die Konkurrenzaufnahmen aus der großen Henze-Box der Deutschen Grammophon doch noch ein Mehr an Unmittelbarkeit und Verfeinerung zu bieten haben; das gilt besonders für Dietrich Fischer-Dieskaus Wiedergabe der "Neapolitanischen Lieder". Das Beiheft verzichtet auf die Gesangstexte und leider auch auf die Tempobezeichnungen der "Ode", die Klangqualität ist nicht immer optimal - am wenigsten in den Dithyramben, bei denen das Klavier in fast grotesker Weise im Vordergrund steht. Dennoch: eine begrüßungswerte Veröffentlichung, wohl geeignet, auch Interessenten mit schmalem Geldbeutel den Zugang zu Henzes sinnlicher Musik zu eröffnen.

Thomas Schulz, 29.11.2001



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