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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Wolfgang Amadeus Mozart

Die Klaviersonaten

Robert Levin

ECM/Universal 002894855776
(389 Min., 2/2017, 2/2018) 7 CDs

Robert Levin ist ein exzellenter Pianist und ein renommierter Mozart-Forscher. Er zählt zu den Pionieren der historischen Aufführungspraxis und hat schon in den 1990ern einige Mozart-Konzerte mit Christopher Hogwood von aller romantischen Patina befreit. Daneben hat er einige wichtige Fragmente Mozarts, so etwa das späte Requiem, vervollständigt. Jetzt hat er alle 18 Klaviersonaten Mozarts plus drei von ihm selbst fertig gestellte Sonatensätze veröffentlicht in Aufnahmen, die er bereits 2017 und 2018 in Salzburg auf Mozarts eigenem Walter-Fortepiano einspielte.
Schon nach den ersten Takten der frühen Salzburger Sonate in C-Dur (KV 279) aber verflog meine Skepsis, ob das hervorragend restaurierte Museumsstück von 1782 eine solche Tour de Force heil überstehen könnte, denn trotz Levins durchwegs energischem Zugriff klingt das schmale Flügelchen überraschend frisch, knackig und obertonreich, als käme es geradewegs aus Anton Walters Wiener Werkstatt. Man erhält hier also einen ziemlich authentischen Eindruck von Mozarts eigenem Klavierklang, den Levin dann auch noch spielerisch entfesselt mit Leben anreichert und überzeugend „vergegenwärtigt“.
Denn die eigentliche Sensation der sechseinhalbstündigen Mozart-Beschwörung ist neben Levins radikaler Klarheit und pedallosen Prägnanz seine schier unerschöpfliche improvisatorische Fantasie, mit der er praktisch alle Wiederholungs-Teile mit allen denkbaren Arten von Verzierungen und Ausschmückungen anreichert, und sich dabei historisch korrekt auf eine damals übliche Praxis berufen kann. So erlebt vor allem der Kenner der Materie hier auf Schritt und Tritt die wundersamsten Überraschungen, denn Levin nimmt sich die (verbürgte) Freiheit, neben den üblichen figuralen Verzierungen gelegentlich auch die Harmonien zu verändern oder ganze Takte einzufügen, dies aber alles mit feinem Witz, gehörigem Respekt und einer durchaus Mozart-verwandten sprühenden Fantasie. Allein die Fülle seiner intellektuellen Kapriolen in der berühmten „Sonata facile“ KV 545 verdiente einen Mozart-Preis und verströmt einen gehörigen Schub frischer Lebensenergie. Und nirgends eine Spur falscher Sentimentalität oder des üblichen kränklichen „Mozart-Gesäusels“, sondern ungeschminkt klare, wache, dem Leben zugewandte Ansagen. Robert Levin entpuppt sich hier als einer der ganz wenigen wahren „Mozart-Versteher“. Und Friedrich Gulda hat endlich einen würdigen Nachfolger gefunden.

Attila Csampai, 17.09.2022



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