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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Alessandro Scarlatti, Leondardo Vinci, Antonio Vivaldi, Baldassare Galuppi u. a.

„Roma travestita“ (Arien)

Bruno de Sá, il Pomo d’Oro, Francesco Corti

Erato/Warner 9029661980
(74 Min., 2-3/2021)

Zwei männliche Soprane sorgen derzeit für Aufsehen. Während von der Decca der Venezolaner Samuel Mariño ins Rennen geschickt – und von vielen Kritikern bereits verrissen – wurde, fängt es der aus Brasilien stammende Bruno de Sá offenbar geschickter an. Sein Album „Roma travestita“ bezieht sich auf jene Ära im Rom des 18. Jahrhunderts, in denen Frauen der Auftritt auf Bühnen und Podien versagt war. Ein berühmtes Album von Cecilia Bartoli („Opera proibita“) befasste sich vor vielen Jahren mit Sakralwerken der Epoche. Hier folgt das entsprechende Opernkapitel.
Acht (von 13) Titeln sind Weltersteinspielungen; wobei unbekannte Komponisten wie Francisco Javier García Fajer („Pompeo Magno in Armenia“), Nicola Conforto („Livia Claudia vestale“) und, besonders apart, Gioacchino Cocchi („Adelaide“) ins Auge springen. Daran gemessen erscheinen selbst Vivaldis „Giustino“, Scarlattis „Griselda“ und Piccinnis „La Cecchina“ fast abgehangen. Toll der Ausschnitt aus Galuppis „Evergete“.
De Sá will kein Countertenor sein, sondern bezeichnet sich explizit als „Sopranist“. Das Timbre ist leicht, aber nicht hell und auch nicht wirklich strahlend – was den männlichen Sänger ausweist. Dies ist nicht bedeutungslos, denn de Sá hat ein ausgeprägt männliches Selbstverständnis – auch dann noch, wenn er hier von vorne bis hinten Frauen singt. Den historischen Gegebenheiten damaliger Kastraten mag das sogar besser entsprechen als genderfluide Sänger es täten.
Die Spitzen klingen gelegentlich angeheftet (ohne echten Zusammenhang mit dem Register). Auch die unteren Töne (in Rinaldo di Capuas „Vologeso, re de’ Parti“) stechen etwas ab. Die Jugend des Sängers aber lässt nicht von einem Registerbruch sprechen. Insgesamt ein gelungenes Debüt-Recital, exzellent begleitet von il Pomo d’Oro unter Francesco Corti.

Robert Fraunholzer, 17.09.2022



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