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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Antonio Vivaldi

„Il mondo al rovescio“ (Concerti)

Amandine Beyer, Gli Incogniti

harmonia mundi/Bertus HMM 902688
(73 Min., 4/2021)

Die französische Geigerin Amandine Beyer ist niemand, der in puren Schönklang eintaucht. Ihre Barockinterpretationen hinterfragen, sie lullen nicht ein, sie rütteln auf oder sind zumindest aufgeraut. Und so ist Antonio Vivaldi bei ihr und ihrem auf gleicher Wellenlänge surfenden Ensemble Gli Incogniti kein Weichmacher, sondern ein pikanter, ja piksender Zeitgenosse. Er tut nicht weh, aber er sticht bisweilen – und er besticht durch seine hier radikal freigelegte Innovationskraft wie Experimentierfreude. Über 600 Mal das gleiche Konzert komponiert zu haben, das sei üble Nachrede, findet Amandine Beyer und so stellt sie ihn unter dem Stücktitel „Il mondo al rovescio“ auf den Kopf oder schaut von rückwärts auf ihn. Und das ganz willkürlich, am 344. Geburtstag, weil sie ihn so liebt, er ihr Leben immer wieder durchpulst.
Acht Konzerte für diverse Instrumente hat sie sich aus dem überfließenden Katalog zusammengestellt, darunter das albumtitelgebende. Geige, Oboen und Flöte kommen hier solistisch mit ausgefeilter, auch ruppiger Rhetorik zu Wort. Deutlich hörbar wird aber auch wie Vivaldi unter dem Konzertmantel im Grunde die Konventionsgrenzen immer weiterverschiebt, wie er Klangkombinationen ausprobiert. Gli Incogniti sind dabei eine wache, reaktionsschnelle Truppe, die sich mit ihrer vehement anführenden Saitensolistin temperamentfunkelnd immer wieder neu tonzusammenrauft. So entstehen in den Tempoterrassen und den Dynamikabstufungen stetig überraschende, spannungsvolle Spielmomente, die zeigen, wie sehr diese Musik ein Fundament für interpretatorische Fantasie und vorwärtsstürmenden, bisweilen auch über das Ziel hinausschießenden Wagemut ist. Langweilig wird es in diesen dauernd neuartig klingenden Vivaldi-Konzerten nicht. Zwischen derb und elegant, fadenfein und wuchtbrummig ist hier alles möglich.

09.09.2022



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