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Felix Mendelssohn Bartholdy

Streichquartette op. 13 u. op. 44,3

Henschel Quartett

Arte Nova/BMG 82876 57744 2
(63 Min., 11/2003) 1 CD

Wüsste man es nicht, der Glaube daran fiele gewiss schwer - dass nämlich dieses wunderbare Stück Musik aus der Feder eines Achtzehnjährigen stammt. Doch es ist belegt: Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte das Streichquartett in a-Moll op. 13 anno 1827, im Todesjahr Beethovens. Und natürlich lassen sich, wer wollte es dem jungen Genius verdenken, Spuren des Vorbilds finden. Ein Epigone, gar Eklektiker ist der junge Mendelssohn dennoch zu keinem Augenblick. Er schöpft aus dem Vorrat, aber er schöpft sogleich und zugleich Neues. Bester Beweis ist der elegisch-tiefsinnige zweite Satz dieses Opus, das "Adagio con lento".
Mendelssohn wäre vermutlich beglückt gewesen, die Aufnahme nicht nur dieses Satzes, sondern des gesamten A-Moll-Quartetts mit dem Henschel Quartett zu hören. Diese ist mit innigster Empfindung gestaltet, klanglich erlesen sowie von einem Feinsinn, den man bei den "Jungen" selten vernimmt. Das Schöne daran: Den Henschels gelingt, und dies scheinbar mühelos, der Spagat zwischen romantischer Schwelgerei und klassischer Formstrenge, zwischen sehnsüchtigem Gesang und kontrapunktischem Zwiegespräch. Die harmonischen Spannungen sind sämtlich bedacht, aufgelöst werden sie stets elegant. Gleiches Lob gilt in allen Teilen im Übrigen für das zweite, ebenso wunderbare Stück Musik, neun Jahre nach dem A-Moll-Geniestreich zu Papier gebracht: das reife Es-Dur-Quartett op. 44,3. Und wiewohl Beethoven hier nur noch eine Nebenrolle zugewiesen bekommt - so ganz können und wollen der Komponist und seine Interpreten seinen Einfluss nicht verschweigen. Was gut so ist. Und uns, den Hörern, enormen Hörgenuss bereitet.

Tom Persich, 08.05.2004



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