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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Alban Berg, Frédéric Chopin, George Gershwin, Claude Debussy

Das Salzburg Recital

Evgeny Kissin

DG/Universal 002894862990
(98 Min., 8/2021) 2 CDs

Eigentlich wäre hier durchaus Höchstpunktzahl möglich. Denn bei seinem nun schwergewichtig als „The Salzburg Recital“ herausgekommenen Live-Doppelalbum, das seinen dortigen Auftritt im immer noch pandemiebeeinträchtigten August 2021 festhält, wagte sich Evgeny Kissin sehr weit aus seiner eigentlichen Komfortzone. Vor allem in der ersten Konzerthälfte. Der damals fast 50-jährige russische Pianist, immer auch schon erratisch und fast-autistisch, der vor 33 Jahren von Herbert von Karajan hier mit großer Geste eingeführt wurde, spielt ohne Pause erst ziseliert und wie gemeißelt Alban Bergs spröde, hier auch ein wenig schmeichelnde einsätzige Sonate. Dann folgt erstaunlich avancierte, sachliche Musik des legendär bösen UdSSR-Musikfunktionärs und steinharten Stalinisten Tichon Chrennikow, die er später einem Prokofjew verboten hätte. Hier macht sich glitzernde Brillanz breit. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens folgen, durchaus mit Blues, George Gershwins Three Preludes. Überraschend. Nach der Pause und auf der zweiten CD gibt es durchaus experimentell ausgeleuchteten Chopin, der dann freilich doch wieder (die virtuos gegriffene Polonaise héroïque in As-Dur, 2. Scherzo, H-Dur-Nocturne op. 62/I) ein wenig bräsig und steif wirkt. Doch dann spielt er in geradezu wilder Zerklüftetheit das h-Moll-Scherzo op. 20 und man hält fast den Atem an. Zart schimmernd flicht sich dahinein Claude Debussys „Clair de lune“ als letzte Zugabe. Davor aber stellt sich Kissin als inzwischen sogar bei Henle mit vier Opusnummern verlegter Komponist vor: Der Dodecaphonic Tango riecht nach eher epigonaler Zwanzigerjahre-Verwertung, kann als Encore aber gefallen.

Matthias Siehler, 10.09.2022



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