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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Richard Wagner, Gustav Mahler, Hans Werner Henze, Franz Liszt

„Tristan“

Igor Levit, Gewandhausorchester, Franz Welser-Möst

Sony 19439943482
(112 Min., 9/2020) 2 CDs

Eigensinnig geht Igor Levit seinen Weg. Er kann es sich leisten, raketenhaft genug hat sich die Karriere des 35-jährigen entwickelt. Dass er Gebrauch von der Freiheit macht, ist trotzdem lobenswert. Mit Hans Werner Henzes großem „Tristan“ etwa, fast einem Klavierkonzert, hat sich seit dem Komponisten (1975) niemand mehr auf Schallplatten auseinandergesetzt. Levits Ton ist deutlich zarter, ätherischer, teilweise abwechslungsreicher als der des Uraufführungsinterpreten Homero Francesch (der fester zupackt). Levit braucht freilich für jeden einzelnen Satz deutlich länger. Das Ergebnis kommt den changierenden Klangfarbspielen von Richard Wagners „Tristan“ scheinbar näher als Henze selber; was auch an dem – luxuriös besetzten – Franz Welser-Möst mit dem Gewandhausorchester liegt. Bei Lichte besehen, scheint reichlich viel Claude Debussy dazwischen geraten.
Auch Wagners „Tristan“-Vorspiel (Transkription für Klavier solo: Zoltán Kocsis) wird so traumverloren, vereinsamt und geradezu becketthaft ‚verödet‘ dargeboten, als gälte es, Wagner über die eigene Modernität aufzuklären. Leider ist das Farbspektrum des Pianisten hier – ähnlich wie bei Franz Liszts „Liebestraum“ und „Harmonies du soir“ – nicht groß genug, um nicht das alte Problem einer leicht holzschnittartigen Wiedergabe heraufzubeschwören. Am weitaus Gelungensten: das Adagio aus Gustav Mahlers Zehnter in der Bearbeitung von Ronald Stevenson – ein Komponist (und Pianist), für den sich Levit schon kürzlich auf seinem Schostakowitsch-Album eingesetzt hatte. Mahler wirkt angenehm ernüchtert und gleichsam auf den Konstruktionspunkt gebracht. Insgesamt scheint es, als sollten die älteren Komponisten auf ihren Zukunftswert hin befragt, der jüngere (Henze) dagegen älter gemacht werden als er ist. Höchst verdienstvoll ist das Doppel-Album allemal.

Robert Fraunholzer, 10.09.2022



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