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N° 1289
21. - 27.01.2023

nächste Aktualisierung
am 28.01.2023



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Giacomo Puccini, Georges Bizet

„Il tenore“

Freddie De Tommaso, Lise Davidsen, Philharmonia Orchestra, Paolo Arrivabeni

Decca/Universal 002894852945
(50 Min., 11/2021)

Wie sich die Tenorbilder eben doch nicht gleichen. Unter demselben Firmendach schicken zwei Label ihre jüngsten Tenorerwerbungen fast parallel ins Debüt-Alben-Rennen. Die Engländer setzen ganz auf die Matinee-Idol- und Crooner-Qualitäten ihres Zöglings Freddie De Tommaso. Der 29-jährige Italo-Brite ist zwar im Ensemble der Wiener Staatsoper, doch frenetisch feierte man ihn in seiner Heimat, als er 2021 – als erster Engländer in 60 Jahren – am Royal Opera House als Cavaradossi einsprang. Vorher gab es mit ihm bereits eine ebenfalls italienische Tuttifrutti-CD von der Arie bis zum Tosti-Schlager. Gängiges Tenorfutter offeriert auch die von Paolo Arrivabeni flott routiniert wegdirigierte zweite Silberscheibe unter dem Doof-Titel „Il tenore“, darauf Filetstücke aus den Puccini-Hits „Tosca“, „Turandot“ und „Butterfly“, immerhin ist in einem der Duette auch Lise Davidsen aufgeboten. Bei den abschließenden beiden „Carmen“-Clips sekundiert Aigul Akhmetshina guttural im Finale. De Tommaso erweist sich neuerlich als gewiefter Spinto mit ordentlicher Technik und ansprechendem Timbre. Etwas zu stark drückt er, mag es auch gern laut, aber noch siegt die Eleganz über die Dynamik. Aber mit Hit auf Hit wird man auch schnell etwas hörstumpf.
Weit edler, vielfarbiger, feinsinniger präsentiert sich hingegen Jonathan Tetelman bei der Konkurrenz in Gelb, wo man auch noch Benjamin Bernheim päppeln muss. Und wenn die akustische Visitenkarte namens „Arias“ auch nicht eben viel Betitelungsfantasie verrät, schon das anfängliche „Cielo e mar!“ aus „La Gioconda“ lässt durch seine gleißend schöne, ja elegante Leichtigkeit aufhorchen. Die dreizehn Arien offerieren einen abwechslungsreich Lust machenden Klangparcours vom frühen Verdi („I due Foscari“) bis Zandonais „Francesca da Rimini“. Und immer blüht hier, Karel Mark Chichon steht professionell am Pult, eine feingeführte Spinto-Stimme angenehm wiedererkennenswert auf. Gerade bei den zwei sich mit de Tommaso überschneidenden Puccini- und Bizet-Titeln wird deutlich, wie viel qualitätsvoller doch das Material des 34-jährigen Chilenen ist, der von einem US-Ehepaar adoptiert wurde und in New Jersey aufwuchs.

Matthias Siehler, 27.08.2022



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