home

N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Eine ungewöhnliche Liedplatte. Berührend und intensiv. Zwingend in ihrer Konsequenz. Bei der es nicht um Virtuosität oder das Ausstellen von Können geht, die auch nicht im herkömmlichen Sinne gefallen und unterhalten will. Und die doch so unendlich viel mitzuteilen hat, auf intellektuell höchstem Niveau sogar in ihrer Düsternis erfreut. Zwei Herren, der eine jünger, der andere in den besten Jahren, beide berühmt, für das, was sie tun. Die sich hier sehr nachdrücklich zusammengefunden haben: Bariton Matthias Goerne und Pianist Daniil Trifonov. Es geht um Schlaf und Tod, Resignation und trügerische Hoffnung – letzte Dinge eben, das volle Programm. Das ist melancholisch und zieht runter, aber traurig ist es nicht. Der Deutsche und der Russe interpretieren in ihrem ersten gemeinsamen Programm, das sie schon seit 2017 live aufgeführt und 2018 eingespielt, aber erst jetzt veröffentlicht haben, dunkel-melancholische Lieder von Alban Berg und Robert Schumann, von Hugo Wolf, Dmitri Schostakowitsch und Johannes Brahms. Matthias Goerne muss sich nichts mehr beweisen. Er kann sein Handwerk, nicht jeder mag sein leichtes Knödeln, und natürlich klingt die Stimme nicht mehr so frisch wie vor zwanzig Jahren. Aber da schwingen eben in jeder Note, die sein immer noch weicher, schön die Töne bindender Bariton produziert, Jahrzehnte an Denk- und Interpretationserfahrung mit, die fesselt, weil sie so natürlich kommt, so wenig gemacht scheint. Und einen sofort in den Bann zieht. Genauso wie Daniil Trifonov durch technisches Können, Nervenstärke, Mut und Spaß. Der hier mit klarer, aufmerksamer Anschlagskultur, souverän, nie mit den Stücken kämpfend, neugierig, auch subversiv aufwartet. Da haben sich zwei gefunden, und es macht Staunen, wie sie sich ihr Material anverwandeln, variieren, zu dem Ihren machen.

Matthias Siehler, 13.08.2022



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Für sein aktuelles Album hat der Trompeter Matthias Höfs ein Werk ausgegraben, das als das einzige ernstzunehmende romantische Trompetenkonzert des 19. Jahrhunderts gilt. Es stammt aus der Feder des deutsch-russischen Komponisten Oscar Böhme. Der 1870 bei Dresden geborene Komponist studierte in Deutschland und Ungarn und emigrierte anschließend nach Russland und nahm die russische Staatsangehörigkeit an. Trotz seiner Bemühungen um eine perfekte Integration in die russische Gesellschaft […] mehr


Abo

Top