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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



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Othmar Schoeck

Elegie, op. 36

Christian Gerhaher, Kammerorchester Basel, Heinz Holliger

Sony 19439963302
(58 Min., 3/2020)

Christian Gerhaher nennt sie eine „Meditation“: Othmar Schoecks „Elegie“, 24 gar nicht schauerliche, aber sehr traurig dahinschreitende Lieder von meistenteils Nikolaus Lenau und Joseph von Eichendorff, uraufgeführt 1923. Einer der letzten großen Zyklen der an die Blütezeiten der romantischen Tradition gemahnt. Außerhalb von Schoecks Schweizer Heimat hört man seine Musik seltener, als es ihr gebührt, aber Gerhaher ist fest entschlossen, das zu ändern. 2009 veröffentlichte er bereits eine Aufnahme von Schoecks Notturno für Gesang und Streichquartett, nun also die „Elegie“. Ein fast stehenbleibendes Jetzt des Abschieds, der vergeblichen Liebe, der dunklen Waldeinsamkeit. Es gibt keinen Handlungsfaden; stattdessen bindet die durchdringende ruhige Melancholie die oft versinkende Gesangslinie und den dunklen Instrumentalsatz zusammen. Warum genau dieses, zumindest in der schnörkellos-treffsicheren, so balsamisch fließenden Gerhaher-Weise in jeder Note faszinierende Werk im Konzertsaal nie heimisch geworden ist, man weiß es nicht. Für Christian Gerhaher ist solche nuancierte Kunst des Leisen ein gefundenes Fressen. Mal spröde und expressiv, mal fein und verschattet. Sein knuspriger Bariton tönt gelassen aus dem dichten Satz des ihn begleitenden, in den Streichern aufgerüsteten Kammerorchester Basel unter seinem liebevoll aufhorchenden Mentor Heinz Holliger, läuft zu großer dramatischer Form auf. Sublim, immer engmaschiger verwebt sich das Geflecht der Instrumental- wie Vokallinien zur fast erschöpfenden Entäußerung. Obwohl Schoecks Musik noch in der Spätromantik von Johannes Brahms und seinem Lehrer Max Reger verwurzelt war, zeigt sie deutlich sein Bewusstsein für den Expressionismus der Zweiten Wiener Schule. Gerhaher kostet dabei jedes Wort präzise aus, färbt sublim.

Matthias Siehler, 14.05.2022



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